Zwar werden die Massen täglich auf den bevorstehenden Kampf der Kulturen oder auf den Weltkrieg um Wohlstand vorbereitet, trotzdem, wennauch ich insgeheim die Tatsächlichkeit eines «Krieges» anzweifle, glaube ich an unsren Sieg angesichts eines anbahnenden Zusammenpralls. Schliesslich erarbeiteten wir uns redlich nicht unverdient den einzigartigen Platz an der Sonne, welche aufstrebende Nationen weltweit bewundern und tausendfach kopieren.
Der Westen begründete die erste moderne Zivilisation, die in ihrer Totalität, Konformität und Funktionalität bei weitem noch nicht ausgereizt ist. Gleichsam exportierten wir unsere Vorstellung und Idee einer Zivilisation, die jeweils auf örtliche Eigentümlichkeiten angepasst wurden, aber insbesondere im Beispiel Japans widerstandslos in die lokale Kultur aufgingen.
Was uns demnach auszeichnet, ist unsre Beliebigkeit, unsere Flexibilität und unser Wille zur Anpassung. Ausserdem verteidigen wir uns wehrfähig, indem wir nicht kapitulieren, gleichwohl Polemiker im eigenen Nest das Gegenteil behaupten, sondern ungeachtet weiter werken, als glaubten wir an keine Bedrohung. Diese Fähigkeit, unverblümt über Missstände hinwegzusehen sowie Konkurrenten zu verniedlichen, zahlt sich langfristig also aus.
Die Positivisten kurierten unlängst mithilfe eines Kölner Kardinals den Begriff «Mutter», welche nach dem Wunsch des besagten Kardinals bald als offizieller Beruf anerkannt werden solle. Doch während die ordnungspolitischen Paffen sich bemühen, die Mutter uns weiterhin als «Familienmanagerin» zu erhalten, welche ein erfolgreiches kleines Familienunternehmen führt, stellt sich Emma, das verrostete und verbogene Sprachrohr gealterter oder erwachter Feministinnen, quer. Das liest sich beispielsweise so:
«Welcher beruflich ambitionierte Ehemann gibt auf Partys mit seiner Frau an, weil sie den Haushalt schmeisst? Nicht, dass er sich dafür schämt (Ausnahme: Vernissagen, Firmen- oder Premierenfeiern), aber Ehemänner sind eher selten besonders stolz darauf, dass ihre Angetraute sämtliche Berufspläne seiner Karriere opfert. Sie sind meistens erleichtert und im besten Falle dankbar, aber bestimmt nicht stolz.»
Ich, ich würde auch das Engagement meiner Hausfrau loben und schätzen, schliesslich, so rechnete das deutsche Familienministerium, werden die Hausfrauen um 820 Milliarden Euro pro Jahr erleichtert. Man stelle sich doch vor, was geschehen möge, falls die Frau nebst einem Haushaltsgeld und dem ehelichen Geschlechtsverkehr noch ein Gehalt für ihre Arbeit einfordern würde? Der Mann muss sich endlich dafür bedanken, und nicht nur, indem er ihre Vergnügungs- und Entspannungssucht finanziert, sondern auch mit netten, kleinlichen Liebeleien.
In meinem Bekanntenkreis, auch bedingt durch mein wissentlich zaghaftes, dennoch Teilzeit ambitioniertes Unterfangen, die verheutigte Realsatire-Satirezeitung übelst und niveaulos zu beschimpfen mit dem Vorwand, man glaube das satirische Oeuvre der zitierten Abendzeitung übertreffen zu können, welcher hofft das Sudeln und Versauen zu rechtfertigen, amüsieren wir uns öfters über «heute». Insbesondere Zora Off würdigen wir mit einer Aufmerksamkeit, die eigentlich die reelle Person Zora Off, sofern sie wahrhaft etwas zu verkörpern strebt, das abends auch im Kaufmeuten ausginge, nicht verdiente, sondern sie lediglich bestätigt in ihrem beschämenden Wirken, was wir doch, gleichsam vorausgesetzt, sie ist reell, ihr nicht freiwillig, hinzu kommend kostenlos schenken möchten.
Aber was derart entzückt, dessen Unklarheit uns aber gelegentlich daran zweifeln lässt, ist die banal anmutende Vorstellung, Zora Off sei eine gewieft eingeschmuggelte, gekonnt verschnürte, weil getarnte und den Volksgusto schmeichelnde Satire, die mit Absicht provoziert ohne Einsicht der Redaktion, dass sie unterwandert wurden. Ich glaube nämlich, ein Duo verantwortet den Inhalt dieser Kolumne; welches Kolumnen auch anderen Unternehmungen ab der Stange verkauft, sie also in Massen herstellt. Bestimmt romantisiert oder mystifiziert diese Vorstellung Zora Off, aber etwas, so bange ich, sollte man sich einbilden, wenn man sich täglich mit dieser Gedankenlosigkeit auseinandersetzen muss. Immerhin zähmt die erwähnte Vorstellung meinen Zorn.
Mit meiner Clique ausgegangen, verhängten wir den Abend. Im hippen In-Club Kaufmeuten tauften wir unser neues Moped. Wir feierten uns selbst, gell Klara? Später checkten wir noch eine gediegene Aftershow-Party ab. War das hitzig, stürmisch und witzig. An der Bar stand so ein Süsser. Ich zwinkerte ihm zu. Aber er ignorierte mich. Heute bekommt er dafür sein Fett ab. Lange mache ich das nicht mehr mit. Das Studium langweilt. Der Dozent labert etwas von einer «Theorie des kommunikativen Handelns». Ich erlabe mich lieber an meinem Pausenbrot. In der Mensa verguckte ich mich wieder in den einten Jungen. So charismatisch wie er stolziert keiner zu seinem Sitzplatz. Ach, ich könnte schmelzen. Er zergeht wie Eis auf der Zunge. Ob ich ihn anzusprechen wage?
Dass die Welt scheisse, kompliziert und unverständlich ist, da schwelgen wir in Harmonie. Während die Menschen irren, Sinn suchen und glauben, sich manchmal zu oft verlieren und daran festhalten, entscheiden sich die Minderwertigsten für Gott. Jawohl Gott! Totgesagte leben bekanntlich länger. Gott ist der Weg des geringsten Widerstands. Ich vergleiche einen frommen Gottesglauben mit der täglichen McDonalds Konsumation. Die ganze Kost ist leicht, schmeckt überall gleich, sättigt aber nur kurzfristig und man wird abhängig. Gott ist eine Droge. Und die Junkies sind die minderwertigen Frommen. Sie determinieren, reduzieren, vereinfachen, simplifizieren die Welt, welche man in ihrer Komplexität akzeptieren und im Sinne der Aufklärung sowie Mündigkeit verstehen müsste. Nein, nein und nochmals nein, die Schäfchen hüten sich selbst und klopfen sich dauernd, auch im Internet, auf die Schultern, diese erbärmlichen Kreaturen. Wahrlich minderwertig.
Die Demokratie bedingt, dass die Massen mündig und aufgeklärt seien. Das sind sie aber nicht. Welches Untier Mensch beteuert schon seine Mündigkeit? Ist man mündig, wenn man von unterschiedlichen Werbungen ein gesonnenes Produkt auswählen kann, der Beeinflussung wissentlich ausgesetzt? Und ist man aufgeklärt, wenn man vermutet, dass sowieso alles nur am Geld hängt? Oder erleichtert es einem zu mutmassen, dass die ganze Politik zum Spektakel oder zu einem zweitklassigen Theater verkommt?
Achwas. Ich höre nun DRS2, kurz wie schnell, und glaube dabei, die Welt sei gebildet und aufgeklärt.
Prostituierte sind zwar im Augenblick des Akts teurer, aber eine Hausfrau kostet über die Jahre auch. Immerhin geben die Prostituierten ehrlich preis, sie seien erwerblich, währenddessen das gemeine Weib mit aller Unschuld äussert, sie hänge nicht an materiellen Werten, obgleich sie im Privaten gesteht, eine aggressive und absichernde Heiratspolitik zu betätigen. Dieser Überlegung unterliegend bevorzuge ich Prostituierte, sei es nur für ein schnelles Zusammenspiel oder für eine mir genehme Ablenkung. Nun bedeutet dies aber nicht, dass ich Prostituierte aufsuche, denn mein Weib bricht die konforme Regel, was ich Gott auch ehrfürchtig danke.
*höhö*, die Demokratie wird herausgefordert. Das war schon sie ja schon immer. Selbst die Polis Athens verging. Niemand konnte sie retten. Mein Rat an die Demokratie: bildet Eliten aus! Zwar scheiterte dieser Versuch auch schon in der Geschichte, aber vielleicht klappt es diesmal. Lobenswert wäre zudem, wenn man dem Volk das Mitspracherecht entzieht und es künstlich “verdummt” , so dass es ihre selbstverschuldete “Mündigkeit” nicht mehr wahrnehmen kann.
Andersherum: ich lehne die Demokratie nicht ganz unbegründet ab, aber kenne im Augenblick keine bessere Alternative. Jedoch weiss ich, dass es -so- nicht mehr weiter gehen kann. Und vor allem die Willkür des Volkes einer Direkten Demokratie verhindert eigentlicher Fortschritt, denn alles Unpopuläre – und das Volk ist gemein eigennützig und populistisch, nicht der “Nachhaltigkeit” ihrer Entscheidungen verpflichtet – wird demonstrativ und kategorisch abgelehnt. Muss das denn sein? Soll das real existierende dumme und vermasste Volk wahrlich über die Geschicke der Nation walten?
Ich fungiere erneut als Sprachrohr. Diesmal verkünde ich einen neuen Metablog: die Blogdenunzianten! Sie übertragen die Idee der Blogbande auf Schweizerdeutsch, aber sind in ihrem Selbstverständnis ehrlich, herablassend und zynisch die schweizerische Blogosphäre täglich zusammenzufassen. Viel Spass!
Die Blogdenunzianten

(Quelle: Wikipedia)
Auch solche Dinge beschäftigen mich, ist doch die Sexualität viel zu stark mit unsrem Geist verwoben, als dass man sie einfach aufbrechen und abtrennen könne.