Dr. B. Blog-Blogickis Bloglesung

Matthias Gutfeld interviewte Dr. B. Blog-Blogicki, der Pontifex der Blogkritiker. Matthias Gutfeld versuchte von Dr. B. Blog-Blogicki seine Vorstellungen über die kommende Bloglesung herauszukitzeln. Daraufhin Dr. B. Blog-Blogicki, seines Zeichens ein geübter Redner, langsam, verständlich und wohlbedacht artikulierend, schilderte, er werde ein „lebendiges Theater“ veranstalten. Ein Versuch einer Interpretation: fünf Blogger stehen oder sitzen auf der Bühne und simulieren oder kreieren das Blogleben. Zuerst veröffentlicht Jemand einen Artikel, der Andere kommentiert rasch, wiederum zerreisst ein Blogkritiker den gesamten Blog, eine Andere mahnt zur Versöhnung, etc. – die normale Blog Soap halt. Und dies wird auf einer Bühne aufgeführt, mit Händen und Füssen, mit Gesten und Mienen und mit Alkohol, damit DER DISSIDENT auch seine dissidentitische Rolle nachäfften kann.

Der schwere Gang ins Proletenquartier

Widerwillens, aber aus Höflichkeit und Solidarität trödelte gestern Abend DER DISSIDENT, selbstversunken und verschleiert, ins baslerische Proletenquartier. Der scheue DISSIDENT, welche gemeinhin preisgibt, er meide das Elend, musste ergriffen eingestehen, dass das Elend auch nicht in der Schweiz endet: das Elend der Proletarier.

DER DISSIDENT stöberte Halbbildung, massenkulturbedingte Verdummung und extremistische Weltanschauungen im baslerischen Rosenau auf, so derb, so vulgär und so erschreckend, dass der arme DISSIDENT fluchtartig das Milieu verliess. Ihm schien es unmöglich, dass abseits von Olten noch eine Welt existiert, in der der Gruppendruck und der gesellschaftliche Konformismus die armen Jugendlichen eisern drangsaliere. Daher realisierte der betrunkene DISSIDENT seine Chance zur Flucht: ab nach Olten und er kehrte heim, entspannt und beruhigt, somit vergewissert, dass die Welt sich selbst erneut heilte.

Für alle die mutmassen; nein, DER DISSIDENT leistete sich keine Prostituierte, obwohl die milieuvermalten Damen kostengünstig zu ersteigern wären.

Mein Medienverhalten

Remo Uherek entblösst sein Medienverhalten. Ich ziehe ihm nach:

  • Ich besitze kein Natel. Folglich versende ich auch keine SMSs.
  • Ich bin telefonisch nur per Festnetz erreichbar, weil ich ja kein Natel besitze.
  • Ich verfüge über keine Digitalkamera. Demgemäss fotografiere ich auch nicht.
  • Ich bin bei MySpace und Konsorte nicht registriert. Aber ich wüte auf youths.ch.
  • Ich zähle etwa zehn Personen auf youths.ch zu meinen Freunden.
  • Ich chätte nicht per IM, denn diese Applikationen beanspruchen zu viel Aufmerksamkeit, die ich, wenn ich arbeite, den Menschen nicht schenken möchte.
  • Ich ersteigere nichts online, weil ich sehr selten einkaufe und das COOP zehn Meter von meinem Büro entfernt ist.
  • Ich archivierte vor drei zwei Jahren meine Musik, welches ich nur noch selten erweitere, und wenn, dann natürlich illegal oder per CD-Einkauf.
  • Ich gucke seit Jahren nicht mehr fern. Und jedes mal wenn ich bei Bekannten fern sehe, entsetze ich über die Verschlechterung des Programms.
  • Ich verabscheue den iPod und leiste mir einen 50.- CHF MP3-Player mit 256 MB Speicher.
  • Am Computer verschmelzt sich Alles: mein Zentrum.
  • Ich setze weiterhin lokale Software ein (OpenOffice).
  • Ich klicke immer wieder gerne auf interessante Online-Werbungen.
  • Persönliche Empfehlungen nehme ich ernst.
  • Ich lese Magazine vorerst mit Perlentaucher.de und nachträglich in der Bibliothek.
  • Den Feierabend beginne ich auf YouTube.
  • Ich kommuniziere hauptsächlich per Email.
  • Ich erwerbe mir erst einen mobilen Begleiter, wenn dieser wahrlich „alles“ beherrscht.
  • Wireless verschmähe ich, denn der Kabelsalat schafft eine gruselige Atmosphäre.
  • Internet per Mobilfunk ist für mich kein Thema (kein Laptop, kein Natel).

Und ich reiche diese Fragen an jeden Interessierten weiter.

Moderne Bücherverbrennung in den USA

Zwar brennen noch keine Bücher, und sei es, so würden früher oder später selbst Menschen brennen, meinte Thomas Mann anlässlich der ersten nationalsozialistischen Bücherverbrennung. „Dauerbesorgte US-Bürger“, laut SPIEGEL, wollen durchringen, dass eigentlich harmlose Bücher, für uns die Klassiker des Englischen, wie „Harry Potter“ indexiert und verdammt werden. Sie argumentieren, solche Bücher seien „böse“ und „von schlechtem Einfluss“. Weniger Stirnrunzeln bereitet mir, wenn sie wahrlich „anstössige“ und zutiefst gesellschaftskritische und pessimistische Bücher wie „1984“, „Schöne Neue Welt“ verbieten möchten. Aber Alles in Allem empfinde ich diesen Vorstoss als übertrieben. Schliesslich kann man die Kinder nicht ewig vor dem Unheil der Welt verwahren und sie übermuttern, denn letztendlich werden auch sie mit der Realität der Welt konfrontiert.

“Ratgeber des Kranken”

Aus Nietzsches „Menschliches, Allzumenschliches“ Satz 299.

„Ratgeber des Kranken. – Wer einem Kranken seine Ratschläge gibt, erwirbt sich ein Gefühl von Überlegenheit über ihn, sei es, dass sie angenommen oder dass sie verworfen werden. Deshalb hassen reizbare und stolze Kranke die Ratgeber noch mehr als ihre Krankheit.

Der zweifelhaften Gestalt des Helfers, zumeist eines Hilflosen Helfers, begegne ich immer wieder in diversen Abschriften, sei es Nietzsche, Theodore Kaczynski oder Wolfgang Schmidbauer. Meine Antipathie gegenüber den Helfern erhärtete sich noch mehr, als ich selbst im Dienste des Patientenwohles werkte. Dort erlebte ich deutlich, wie es einem wiederfährt, indes man über die Patienten thront und ihren Tag nach eigenem Gutwillen beschwingt. Für Menschen, die ihr Machtbedürfnis therapieren müssen, prädestiniert sich eindeutig der „soziale“ Beruf. Aber ich wandte mich dieser Berufsdomäne ab, denn lieber therapiere ich mich ohne auf Kosten von gezehrten und ausgebeulten Gepeinigten selbst.

Liebe Türken

Liebe Türken, wenn es nach mir ginge, würde ich euch heute noch, sofern ihr uns einige Zugeständnisse wie z. B. die Existenz des Armenien-Massakers und die Immunität der Menschenrechten erteilt, in den europäischen Club einladen. Ich finde, ihr gehört mit uns zusammen nach Europa. Dabei behindert eure Religion die erwünschte EU-Aufnahme nicht im Geringsten, denn unser Glauben entsprang aus denselben Wurzeln. Eigentlich verbindet uns mehr, als uns trennt, würden unsere retronationalistischen Fundamentalisten sich nicht so vor euch fürchten. Wieso weiss ich nicht. Aber vielleicht liegt es an eurem Kinderwachstum. Wenn ihr dann aber schliesslich mit uns lebt, können auch wir von eurem Kindersegen profitieren. Ach. Es könnte so schön sein, doch vorerst träume ich, liebe Türken. Aber letztendlich bin ich mir sicher, dass ihr, meine Freunde, mit uns irgendwann in Euro rechnet.

Wollt ihr die totale Sicherheit? – Jaaa!

Und da wusste das Volk nicht, welche Vereinbarung es einging. Die totale Sicherheit wurde anfänglich noch als Hilfsmitteln verkauft, welches das Leben erleichtert, bequemt und versichert. Doch allmählich entkleidete sich die totale Sicherheit als eine totale Bevormundung – kurzum: der Mensch opfert seine Selbständigkeit seinen Sicherheitsbedürfnisse gegenüber einer imaginären und zumeist überbewerteten Gefahr. Nun durchläuft das Leben des Volks gänzlich organisiert und strukturiert. Dabei scheint alles voraussehbar und nichts überrascht, verblüfft und erstaunt den Menschen mehr. Die totale Sicherheit war also eingekehrt.

Den Terror heraufbeschwören – gut gemacht

Das jüngste Zeitgeistexempel dokumentiert es augenscheinlich: Die bösen Islamisten würden nie ersinnen, einen Anschlag auf eine Staatsoper zu verüben, hätte der Intendant das „umstrittene“ Stück nicht abgesetzt. Somit beschwören wir die bösen Geister des Islams und maulen nachträglich, wenn sie uns verfolgen. Ein altes Sprichwort besagt schliesslich, man solle keine Geister rufen, die man nicht bändigen kann.

Aber in unser Fahrlässigkeit dämonisieren wir den Islam so grotesk, schalten ihn auf alle Sendungen und halten eine Bedrohung aufrecht, die man ausnahmsweise relativieren darf, auf dass die Islamisten sich mit ihrer Bösen-Buben-Rolle identifizieren und folglich intervenieren. Z. B. wer kannte schon vor dem 11/09 die dunkle Bedrohung des Islams? – Niemand! Und heute mutmassen alle, dass sich hinter jedem Gebüsch ein bewaffneter Terrorist versteckt, der uns erdolchen möchte. Ich empfinde diese Entwicklung als völlig fehlgeleitet, übertrieben und masslos panikmachend.

Ich liebe Nora Hesse

Früher bewunderte ich nur ihre ***** (Zensur), doch wie sie keck, taff und forsch den Super-Coolio interviewt, begeistert sie auch einen störrischen und erzkonservativen Altnörgler wie mich. Zwar kann ich ihren Brötchengeber überhaupt nicht rühmen oder für irgend eine lausige Berichterstattung loben, aber ich denke, sie ist jung und braucht das Geld oder zumindest die Referenz.

Liebe Nora, ich hoffe, du mauserst dich und verblüffst mich mit fantasievollen Wortschöpfungen. Vielleicht begraben wir unsere innige Feindschaft, denn wie ich informiert bin, willst du mir immer noch in die Eier treten. Sei bitte versöhnlich und lies dies als eine offizielle sowie öffentliche Entschuldigung für meine vergangene perverse Anspielung auf deinen herrlichen ***** (Zensur).

Besten Dank,
der unverbesserliche Dissident

Freiwillige Selbstkontrolle

FSK

(Quelle: Tagesspiegel)

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