Ich muss immer wieder feststellen, dass die Online-Angebote der Tageszeitungen keine Trackback-Funktion anbieten. In den USA, ich weiss nun nicht mehr genau welches Blatt, zeigen die Webseiten der Zeitungen an, welche Blogger sich zu welchem Beitrag äusserten. Natürlich können die Tageszeitungen nicht einfach “unsere” Trackback-Funktion übernehmen, denn dann würde einfach jeder Blogger jeden Artikel in der Hoffnung trackbacken, es würden sich so einige Besucher auf seinen Blog verirren. Vielleicht sollte man nur diejenige Blogs listen, die einen “seriösen” technorati-Rang aufweisen. Oder eine Redaktion moderiert die Trackbacks, was allerdings auch wieder kostet.
Trackback bei Zeitungsartikeln
Die Dissidenten des Blätterwalds
Meine Berufskollegen, die Blätterdissidenten der taz, prüfen seit langem die Kritik. Heute tadelten sie Frank Schirrmacher (nicht zu verwechseln mit Schrillmacher), Herausgeber der FAZ und werfen ihm sowie seiner Gilde vor, sie würden “mit viel Demagogie und wenig Sachkenntnis” den Ideologismus “Kampf der Kulturen” unnötig und verzehrend schüren.
Für das Format taz ist es eigentlich zwingend, vergleichbar mit meiner blogschen Legitimation, sich immer querzustellen und jeglichen minimalen Konsens abzuwenden. So überrascht mich diese Kritik der Kritik nicht, lese ich doch aufmerksam jede Kritik der Kritik. Dafür schliesse ich mich an, wenn es darum geht, Broders einfältige und fantasielose Polemik im SPIEGEL (und in der Weltwoche) zu verurteilen. Sowieso gaukelt mir diese ganze Integrations- und Islamdebatte ein illusorisches Feindbild vor, welches ich einfach nicht wahrhaben kann. Wir pauschalisieren den Westen auch nicht, nur weil die Abtrünnigen unsere Werte umkehren und sie radikalisieren, zuweilen auch simpel dramatisieren. Daher verstehe ich die Berufskollegen der taz sehr wohl, wenn sie sich über die Tragik der Kulturbanausen ärgern.
Den Schreibstau überlisten
Via der linguistischen Monarchie, die übrigens von einem begabten Schreiberling repräsentiert wird, dessen Stil mich, sofern ich nicht zehn Jahre junger wäre, prompt verscheuchen würde, schnappte ich folgende Ratschläge auf, die einen potenziell ergreifenden Schreibstau überlisten:
Texten heisst für mich, in einen gedanklichen Reinraum einzutreten, abgekoppelt von alltäglichen Problemen und Bewusstseinsinhalten. Ist dem Meditieren verwandt. Um diesen Zustand gedanklicher Reinheit zu erreichen, bewährt sich bei mir nicht nur die totale Ruhe, sondern auch: Stauendes, Störendes, Ablenkendes mit Musik wegzuschwemmen.
Unter dem musikalischen Einfluss befreie ich auch mich von selbstbezogenen Fixierungen, löse mich gänzlich auf und werde Eins mit der Schreibe. Früher suchte ich diesen meditativen Rausch vor allem im Texten. Und ich fand ihn. Jedoch weiss ich aus Erfahrung, dass sich nicht jede Musik dafür eignet. Wie Aurel Gergey noch vervollständigt, behindert deutschsprachige Musik z.B. diese Klarheit, denn sie lenkt hörbar ab.
Die zürcherischen Kulturblogger
Den zureichzentrischen Blick auf das Kulturgeschehen verüble ich den Kulturblogger, die sich als Hochkultur-Adepten stilisieren (wollen), nicht. Trotzdem krieche ich nicht den Theater-Snobs nach, welche zudem noch erheblicher subventioniert werden. Belustigt mich doch das Volksschauspieltheater der Strasse umso bedeutender, als dass ich mich für steril Inszeniertes begeistern liesse. Demnach lockt mich einzig und alleine den Beifüller “amateur”, ohne von der falschen Zielgruppe ungewollter Beifall zu bergen.
Letztlich zwecks Eigenmehrwert rate ich den Kulturbloggen, sie sollen sich doch bitte an Kulturdiskursen mit eigenen Standpunkten beteiligen, anstatt Nachrichten abtippen, die wir, ein informiertes Publikum, soundso erfahren.
Neues selbst-bewusstes Tier!
Das ist mir wahrlich eine Meldung wert. Laut NETZEITUNG erkennen sich nun auch Elefanten im Spiegel. Diese Fähigkeit war bis jetzt lediglich den Menschen, Menschenaffen und Walen vorbehalten. Wobei man die menschliche Fähigkeit zur Selbstreflexion offen und ehrlich abstreiten kann, denn die Vernunft birgt mehr Lebensrisiken mit sich ein, als dass sie es uns erleichtere.
Fernweh
Ich will raus, weg und in die Welt hinaus. Übrigens weiss sowieso seit gestern jeder heute-Leser, wo ich wohne. Das stört mich zwar nicht, trotzdem möchte ich keine kahlköpfige oder vollhaarige Prügelbande empfangen. Vorerst muss ich aber noch ein bisschen arbeiten und mich gedulden! Bald, bald nach dem Studium, bald in baldigen Jahren, wandere ich aus.
Bastian Sick
Wer kennt sie nicht? Die Zwiebelfisch-Kolumne des Spiegel Onlineangebots, geführt von Bastian Sick. Die WELT porträtierte ihn heute für uns.
Ich zweifle jedoch immer an meiner schreiblichen Berufung, wenn ich Sick lese. Umso mehr vergewissert mir die Lektüre des Stilisten Sick, dass meine Schriftsprache noch erheblich reifen muss, ehe ich sie professionell und im Berufe einsetzen kann. Denn, so Sick,
[die] Sprache ist zutiefst emotional. Sie ist ein Mittel, mit dem wir uns selbst darstellen, ein Teil unserer Identität. Wenn jemand unsere Sprache kritisiert, greift er auch unsere Persönlichkeit an.
Ich bemängle sowieso ungern Rechtschreibefehler der Anderen, weil ich meine eigenen nicht dauernd vorgeführt bekommen möchte. Deshalb interpretiere ich lieber Eigenes und lese Queres den Zeilen dazwischenliegend heraus.
Vergesellschaftlichte Kunst
Was DER VERWERTER letzte Woche forderte, nämlich die Eingliederung der Kunst in die Gesellschaft, wird nun auch von der Berliner Akademie der Künste verlangt, so heute die NETZEITUNG.
Wie dominiere ich Menschen?
Greife nach dem Menschen, den du imperativistisch einverleiben möchtest. Stürze in seiner Gegenwart seine abbruchreife Weltsbetrachtung ein, entwerte Dogmen und bezichtige ihn in der Lächerlichkeit des Seins. Alsbald sich der Mensch dir unterjocht, anpreist und in dir den Führer sucht, kannst du deinen Imperativ verwirklichen! Derweil der Mensch dich um Sinn und Fülle anbettelt, führe ihm deine Ideen über. Ehe er sich sättigt, wiederholst du den Kreislauf.
So dramatisiere ich Kunden-, Zweck-, Patienten- und Liebesbeziehungen.
Opern-Absetzung erregte nicht
Der islamische Mob zürnte nicht – nein- , wider allen Erwartungen blieben die Reaktionen zur Absetzung der “Idomeneo”-Opern in Berlin aus, so die FAZ heute früh. Dies beruhigt auch mich, sah ich doch diesen vorschnellen Anlass in Form einer vorauseilenden Gehorsamkeit samt freiwilligen Selbstzensur als Kniefall vor den Extremisten und als metaphorische Unsitte, mit Öl einen Feuersturm zu löschen.