Ja, ja. Die FAZ giftelt wieder einmal. Der böse Perlentaucher zerstöre deren Geschäft, heisst es wiedem, er raube geistiges Eigentum. Nun, zweifellos «zitiert» Perlentaucher nur, erhöht infolgedessen gleichfalls die «Relevanz» der Zeitungen im Internet. Denn wer mithilfe des Internets täglich im Büro sich informiert, schätzt auch den Perlentaucher.
Gerade Perlentaucher nutzt die Vorteile des Internets, wennauch ohne Erbarmen. Schliesslich fasst Perlentaucher unzählige Meinungen diverser Zeitungen zusammen – alles in einer Webseite, was obendrein praktisch ist, sowohl für Medienanschaffende als auch für mich, um einen Überblick sich zu verschaffen.
Via: Medienlese
Der Mensch verschmutzt nicht nur unsren Planeten, sondern «verstopft» zudem das All mit massenhaft Radiosignalen, die, einmal gesendet, fortan ziellos im All schwirren. Gewiss peinlich penetrant und aufdringlich sendet der Mensch, will beachtet werden, doch sollten wir uns nicht zurückhalten? Falls, nur mal angenommen, andere Zivilisationen unsere TV-Signale lauschen würden, demonstrierten diese nicht unsre Unzivilisiertheit, unser Barbarentum? Ich meine, vermutlich hochintelligente Ausserirdische wären entsetzt, müssten sie zum einen mit unsrer primitiven Informationsübermittlungstechnik sich auseinandersetzen und wären zum andren obendrein geschockt über jenen Inhalt, mit dem wir unser Gehirn und «unseren» Kosmos verdrecken.
Quelle: Alpha: «Sollen wir wirklich?»
Klar. Niemand verblüfft, weshalb die öffentlichen TV-Anstalten Charakter verplempern. Denn im Markt verzettelt, müssen öffentlichen TV-Sender genau den Geschmack eines irrendes, wegen Feierabend streuendes Publikums bedienen. Und wir wissen, ist dieser «Geschmack» schnell in eine schlichte Formel gepackt: Titten, Gewalt, Schadenfreude. Wer nun jammert, sollte für die unzähligen Arbeiter ein neues Produkt entwerfen, welches vielleicht «klüger» «zerstreut» und «ablenkt». Mir, ehrlich gesagt, ist dies aber alles ziemlich gleichgültig.
Quelle: NZZ: «Im Sog des medialen Populismus»
Nun, Weltgeist. Eigentlich lieh ich diese Anschauung Hegel aus, allerdings bin ich ausnahmsweise nicht der einzige, denn diese Hegel-Deutung, dass, sobald die Widerstände und Widersprüche der «Welt» sich auflösen würden, die Welt fortan in einer Art Harmonie ohne Geschichte zeitlos dämmern würde, ist eine relativ moderne und äusserst französische.
Natürlich entspricht diese Anschauung gerade meinem Lebensgefühl, dass man den Gang und die Entwicklung der Welt weder beeinflussen noch steuern kann, sondern, im Gegenteil, man schlichtweg halt nur «zuschauen» muss, bestenfalls nicht sich ärgern darf darob, was täglich – auch Schreckliches und Verwerfliches – geschieht.
Der Materialist bin ich. Denn ich krähe, die Welt hänge nur dank dem Geld zusammen, wo nichts anderes mehr Menschen bindet. Ich bestätige also dadurch ungewollt gerade jenes auf Geld basierendes «System», das zu überführen ich eigentlich strebe. Dieselbe Schlussfolgerung erhellt auch, weshalb eine Bewegung, die die «Macht» kritisiert, der «Macht» letztendlich zur Macht verhilft. Weil das, was beherrscht, nur herrschen kann, falls «dessen» Herrschaft umstritten ist. Die Kritik der Macht, die eine Legitimationskrise der Macht voraussetzt, verdeckt folglich diese Krise, sofern die Macht die dargereichte Kritik nutzt, um die Macht als solche zu demonstrieren.
Wirr. Womit ich enden möchte, ist lediglich der Befund, dass man das «System» wegen zweierlei Einwänden nicht kritisieren kann. Zum einen die Tatsache, dass innerhalb eines Systems der Beobachter (Kritiker) ein eigenes System schafft, das von jenem, welches er zu kritisieren sucht, sich differenziert. Jede Kritik ist deshalb verfälscht, Objektivität mithin kann gar nicht erst gebildet werden. Es sei denn, der Beobachter befände sich an einem Punkt, der ausserhalb aller Systemen, also beispielsweise inmitten unsrer Galaxie wäre, allerdings darf man zweifeln, ob ein dergestalt Beobachter überhaupt bemächtigt wie befähigt wäre, ein System zu kritisieren, in welchem er selbst nicht lebt, welches er selbst nicht hautnah spürt.
Und zum anderen die unverrückbare Erkenntnis, dass das, was wir Realität nennen, eine Hyperrealität ist, die jeglichen Bezug zur ehemals mit der Erde verwurzelten Realität verlor. Man zwar gewiss gratwandern, doch weil Realität und Virtualität vermengt sind, ist trotzdem Kritik, die entweder die Realität oder Virtualität einseitig betrifft, wirkungslos. Es sei denn, die Kritik kritisiert die Realität und Virtualität gleichermassen, anerkennt die Realität und Virtualität als gleichberechtigt und als untrennbar durchmischt.
Die armen wegen Moden geplagten Jugendlichen. Ich bemitleide sie. Denn wer diesen Sommer, der voraussichtlich ewig dauern wird, nicht zeitgemäss mit den hiesigen Openairs turtelt, stirbt sozial. Dasselbe Schicksal erleiden auch jene, die von gesellschaftlichen Zwängen losgelöst, die hohe und äusserst einverleibende Ausgangskultur ablehnen. Glücklicherweise ist wenigstens das Aussteigertum Mode. Dies vereinfacht den Ausstieg, obendrein gilt, wer aussteigt, in gewissen Kreisen als «cool».
Ich selbst muss während den Sommerferien nur arbeiten, werde demgemäss kaum pausieren wegen Openairs. Falls ich doch ein Openair zu besuchen gedenke, dann dies eine in Burgdorf namens «Pogoschütz», bei dem ich allerdings mithelfe, weil wohlgemerkt: ohne Arbeit, ohne Aufgabe und ohne Sinn kann ich nicht ausgelassen, befreit und ungehemmt «feiern» respektive Frondienst für die Allgemeinheit leisten.
Gewiss, eigentlich schwor ich mir, niemals wieder eine Bewerbung zu verfassen, in der ich mich beschönige und verherrliche, als walte Gott höchst persönlich über meinen Leib. Nun beausnahme ich meine starre Regelung, allerdings nur mit der Bedingung, dass ich für meine Mühen nicht entlohnt werden möchte.
Meine Bewerbung, die verbindlich meinerseits abgesegnet ist, richte ich an Sacha Wigdorovits und dessen Gratiszeitung .ch. Falls du mich erhörst, Sacha Wigdorovits, sende mir ein deutliches Zeichen. Denn ich will mich als Autor bewerben, der, wenn man ihn nicht mässigt, wöchentlich den Kapitalismus verkolumniert.
Dass ich mich für diesen Job eigne, den ich obendrein freiwillig eigenmächtig «bewältige» und deswegen nicht bezahlt werden möchte, habe ich kürzlich «bewiesen». Du, Sacha Wigdorovits, kannst mich als «Experte» der lebhaften schweizerischen Unterschicht duzen. Mein fundierte Expertenwissen bescheinige ich auf Anfrage dir gern mittels meines stets schwankenden Monatseinkommens.
Unzählige Mütter erziehen hierzulande ihren Nachwuchs selber, ohne Vater, aber dafür mit «Vater Staats» Beihilfe. Eigentlich ist dieser Umstand, dass Müttern innerhalb unsrer gestrafften Zivilisation den für ewiges Gedeihen notwendigen Nachwuchs vereinsamt, verarmt und verbittert selber ernähren müssen, ohne dass sie derbei tatkräftig von Männern mit Versorungsautorität unterstützt werden, sehr erbärmlich und beschämend für Zivilisation und Männlichkeit beiderseits.
Also frage ich mich, weshalb man die Zeugung nicht ebenfalls unternehmerisch privatisiert, schliesslich verheisst die Ideologie der Wirtschaftsdarwinisten doch: alles, was privatisiert wäre, sei effizient und produktiv. Dementgegen verkörpern mittellose, in Weltabgeschiedenheit verschleissende Mütter, die nur wegen Vater Staats Fürsorge überleben, die reinsten Etatisten. Man müsste also Unternehmungen gründen, die Kinder für den Markt produzieren.
Erst wenn uns etwas fehlt, können wir dessen Wert anerkennen. Genauso schätzt man Geld erst, wenn man keines mehr hat. Und erst, wenn dieses Gefühl der unwiderruflichen Geldlosigkeit einen übermannt, kann man den Geldmenschen kritisieren. Wer trotzdem aus einem «Grand Hotel Abgrund» herab dem Kapitalismus Sozialdarwinismus bezichtigt, wirkt auf jene, die im Elend ein Butterbrot schmausen, unglaubwürdig und dekadent.
Deswegen muss ich, will ich die Gesellschaft der Falschheit überführen, unmittelbar bodenständig mit den Armen mich verbrüdern, mit ihnen dasselbe Elend teilen, ansonsten schwäche ich meine Glaubwürdigkeit, Autorität: entpuppe mich unweigerlich als Salonkritiker, der hochmütig gegen den Kapitalismus rauft, während er sich den Magen nimmersatt mit westlichen Luxusspeisen stopft und unterdessen die Mehrheit der Weltbevölkerung kläglich verhungert.
Heute Nacht träumte ich sonderbar. Ich war im Zürcher HB. Am Ausgang Richtung Bahnhofstrasse angekommen, war ich überrascht und entzückend beidermassen, dass die Strasse mittels Ampeln und Fussgängerstreifen «zivilisatorisch geordnet und strukturiert» war. In kindlicher Begeisterung sodann überquerte ich eine Strasse nach der anderen. Weshalb kann ich mich nicht mehr erinnern, aber anscheinend war ich dermassen verblüfft wegen der Ordnung, die generalisiert kommuniziert, jeder begriff und jeder wie selbstverständlich übernahm.
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