Was ist eine Denkstörung?

Die Psychosomatik, zufällig im Internet entdeckt, antwortet:

unablässiges Grübeln, Weitschweifigkeit, Unfähigkeit das Wesentliche zu erfassen, alles dominierender Zweifel (Ambivalenz) «Nichts ist sicher, alles muss bezweifelt werden.», magische Grundeinstellung, „sinnlose“, affektarme Gedanken (Zählen, Rechenaufgaben lösen).

Zuerst wollte ich mir eine Denkstörung unterstellen, weil ich «unablässig» grüble und desöfteren abschweife. Allerdings beruhigte mich, da ich trotzdem mich aufs Wesentliche zu konzentrieren weiss. Daraufhin verunsicherte mich jedoch, dass inmitten meines Über-Ichs ein «Zweifel» dominiert, der alles zersägt, wobei ich diesen mit keiner «magischen Grundeinstellung» paare, was letztlich mich wiederum erlöste von Selbstbeschuldigungen, mein Denken sei gestört.

Eigentlich müsste man die Gesellschaft als Einheit dringend therapieren, würde man behaupten, wäre man selber Therapeut. Weil ich aber kein Therapeut bin, deswegen kaum profitiere von einer Massenbehandlung, seufze ich, dass wir unheilbar erkrankt seien. Vor allem die Krankheit, alles als Krankheit diagnostiziert haben zu wollen, ist das wahre Unheil unsrer Gesellschaft, die, wegen des Gesundheitswahns geblendet, nur noch kranke Menschen verorten will.

Das Kapital ebnet die Welt.

Ich will nur den einen Gedanken ausdrücken, nämlich dass das Kapital die Welt, sagen wir mal, vereinheitlicht, einebnet, nivelliert, glättet. Ausserdem anonymisiert Geld den Menschen. Überall dort, wo Geld zirkuliert, ist die Welt greifbar, real. Wo allerdings unser Geld nicht anerkannt wird, ist die Welt keine uns vertraute, nunmehr ähnelt diese einer uns fremden, in der wir uns nicht bewegen, sprich: in der wir nichts konsumieren, also leben können. Geld demnach überschreitet Grenzen, ist selber grenzenlos.

Geburtstag der Schweiz

Morgen will die Schweiz ihren Geburtstag feiern. Ob dann der Tag sich einem runden Jubiläum jährt, möchte ich nicht ausrechnen. Ehrlich und unter uns gesagt, interessiere ich mich nicht für den symbolischen Geburtstag eines Nationalstaats. Denn, ohne mich blamieren zu wollen, begreife ich die Schweiz staatspolitisch höchstens als Experiment, das Europa belehren könnte über den föderalistischen und dadurch gewiss teilweise sinnvollen «Kantönligeist», aber nicht, um allein, umkreist von Europa, den Sonderweg zu wählen.

Den europäischen Nationalstaaten insgesamt prophezeie ich sodann eine allmähliche Selbstauflösung, respektive eine Verminderung deren Kompetenzen zugunsten der EU, die allerdings zuerst von erstickenden Bürokratien entrümpelt werden und eine mehrheitsfähige Verfassung konstituieren müsste. Die Fassade eines Nationalstaats wird vermutlich solange noch geschmückt, wie Schweizer zweitrangig sich als Aargauer, Zürcher oder Thurgauer identifizieren wegen des allgemeinen Bedürfnis nach einer herkunftsbezogenen Identität, während die Welt zunehmend sich engmaschiger verwebt.

Privatisierte Gewalt

Gewiss verheisst Privatisierung nur Gutes. Folglich, nebst unzählig andren Dingen, müsste der Staat sodann endlich die Gewalt «liberalisieren». Weil wir allesamt abgeklärt, mündig und selbstbestimmend sind, dürfen und sollten wir auch frei darüber entscheiden, wen wir verprügeln oder erschiessen. Ein Staat, der die Gewalt monopolisierte, beschränkt nur unsere Selbstverwirklichung.

Quelle: Krusenstern: «Eigene Privatarmee für Gazprom und Transneft»

Das Spektakel und Ich

Die Gesellschaft des Spektakels, worauf sowohl BWL- als auch Kunst-Studenten gleichermassen schwören, entzweit die jeweiligen Rezipienten. Die einen, von Ohnmacht und Resigniation angesichts des omnipräsenten und alternativlosen Spektakels lädiert; erwählen den Weg der intellektuellen Duldsamkeit gegenüber des «anything goes». Die andren hingegen, von wirtschaftlichem Nutzdenken geblendet, wittern im Spektakel Gewinn; denn, sobald einmal geröntgt, zeigt das Spektakel unverblümt das Konsumverhalten jener im Spektakel zuschauenden Bevölkerung.

Gezielt manipulieren sodann die Nutzniesser des Spektakels dies Spektakel, das die Wirklichkeit mittels Bildern ersetzt, woraufhin denen, die das Spektakel kapitalistisch unterwandern, die Gesellschaft des Spektakels einerseits Hochachtung vermeintlich gebührend für eine intellektuelle Kälte schenkt, anderseits denselben Eingeweihte die bislang wage Mutmassung gänzlich vergewissernd bestätigt, ob das Spektakel wahrhaft das Leben aller buchstäblich verwalte. Den übrigen Eingeweihten, die zwar über des Spektakels Existenz sich unterrichtet wähnen dürfen, wird unterdessen fürwahr berechtigterweise vorgeworfen, sie münzten ihren Vorteil nicht um.

Ich, sofern ihr mich kennt, kenne das Spektakel, ich kenne genauso die Mechanismen, die das Spektakel und die in ihr dösende Gesellschaft steuern. Allerdings könnte ich nicht verantworten, zumindest nicht mir gegenüber, weil letztlich bilanziere nur ich selber alljährlich mein Gewissen; das Spektakel radikal einzusetzen für, dass mein Vermögen ordnungspolitisch sich mehre, mein Unvermögen wie Unbehagen hingegen gleichsam zunimmt bezüglich der Gesellschaft des Spektakels.

Ich erdulde, sozusagen, das Spektakel stillschweigend; weder bekämpfe noch trickse ich es aus. Deswegen fühle ich mich nicht beleidigt, insbesondere nicht, falls die ominösen andren, die eingeweiht in die Geheimlehre des Spektakels sich rühmen, das Spektakel wirtschaftsdarwinistisch vergegenwärtigen. Ich würde gar behaupten, dass jene, die das Spektakel umkehren für den Eigennutz, den wesentlich längeren Strohhalm ziehen als die Unverbesserlichen, die trotz des wirtschaftlichen Zwangs keinerlei List zum Überleben im Spektakel aufweisen.

Trend: moralisch selbstreinigende Fonds

Ach, ich kann mich noch erinnern daran, dass ich vor mehr als drei Jahren meinen Lehrbetrieb einst vorschlug, Fonds zu lancieren, die nach «ethischen» und «moralisch» einwandfreien Prinzipien investieren, jene also, die, freilich eben nicht wie die Mehrheit unsres damaligen Angebots, nur in Rüstung, Drogen und dergleichen das Portfolio diversifizierten, sondern gewissenhaft jede Anlage zuerst anhand vorneweg definierten moralischen Richtlinien prüften. Und heute muss ich täglich lesen, wohl nicht ohne Genugtuung, dass gerade dergestalt Fonds weltweit allmählich sich als Alternativen durchsetzen im Gegensatz zur Mehrheit der moralisch fahrlässig investierenden Fonds.

Ob Fidelity und Pioneer Investments, die damaligen, meines Empfindens nach, Vorbilder der globalen Finanzindustrie, diesem zeitgemäss total vor allem seitens des «Klimawandels» aufgebauschten Trends hinterherjagen, will ich nicht wissen, jedoch, weitaus dramatischer und mit spürbarem Unbehagen, verfolge ich die Ambitionen, gewiss seit jeher, der schweizerischen Grossbanken, deren Wissen diesbezüglich lediglich auf Akquisitionen im angelsächsischen Markt schwankend fusst, die nun, angesichts deren allgemeinen «Marktgläubigkeit», mitströmen, wohin sie auch getrieben werden.

Was ist der Mensch?

Aufgestöbert bei rebell.tv:

«Der Mensch ist ein autohypnotisches Tier: ein Wesen, das sich einbildet, was es ist, und ist, was es sich einbildet.»

Was der Mensch genau ist, beschäftigt den Menschen seit längerem. Demzufolge plötzlich der Mensch schliesst, er sei ein Mensch und folglich deshalb, allein seiner Menschlichkeit wegen, den Tieren erhaben. Dadurch krönt der Mensch sich selbst als Oberhaupt der Natur, und zwar mit keiner göttlichen Absolution, ausser jener, dass er bislang Gott war, allerdings ohne davon etwas zu ahnen und nun endlich die Konsequenzen dieser epochalen Erkenntnis begreift.

Wer kennt nicht die Absicht, die eigene «Geschichte» umschreiben, rückwirkend natürlich, zu wollen? Erinnerungen werden ständig gefälscht, Erlebnisse geschönt und die Anzahl Verfehlungen abgerundet. Sieger diktieren Geschichte, zweifellos. In uns gewinnt das mit Minderwertigkeitskomplexen erst bedrohlich werdende Über-Ich, das, einmal irgendwo und irgendwie bestätigt, sofort überschwänglich den eigenen Grössenwahn mehrt.

Uneinnehmbares Weib

Gewiss ist das Weibliche das Mysteriöse, das Unheimliche, das Undurchschaubare, das ewig einen lockt, wieauch mich. Ich bin den weiblichen Reizen erlegen, zweifellos, wohin ich mich drehe, allerorts buhlen weibliche Reize um meine Aufmerksamkeit.

Will ich das Weib jedoch anerkennen, verflüchtigt es sich. Ich kann das Weib nicht einsperren, genauso wie ich mich nicht verkrüppeln kann. Trotzdem möchte ich am liebsten das Weib «verewigen», sodass ich nicht mehr um die Flüchtigkeit und Vergänglichkeit dieses bangen muss.

Selbstreinigung Konsum

Glitzernd und funkelnd, lockt ewige die Fassade der Konsumwelt, in deren Abgrund Verzweiflung und Leere gärt, dies Opiat, erst einmal gebraut, schnell den Menschen einschläfern kann, sodann dieser daraufhin letztlich kapituliert vor jener Wirklichkeit, die Medien und Werbung als wirkliche verklären.

Nun soll niemand die Situation dramatisieren, denn solange der Mensch konsumiert und schafft, benötigt er auch keine Lebenskraft, weil gerade der Konsum euphorisiert und sämtliche Bedenken wegfegt, die ein Mensch, der, ob selbstgewählt oder fremdverursacht, vom Konsum sich ausschliesst, brütet ohne Gewissheit über den Sinn und Nutzen dessen.

Ich diskutiere öfters, eigentlich täglich, eigentlich immer, falls ich mir wohl gesinnten oder vertrauten Menschen begegne. Und stets endet eine Diskussion mit der offenkundig erklärten Ohnmacht, dass keine Alternative einen sich anbiete und dass wir endlich eingestehen sollten, dass die derzeitige Gegenwart wahrlich die beste aller möglichen sei.

Nein, ich bin nicht gestillt, ich kann lamentieren, nörgeln, wimmern, säuseln, jammern, mich ärgern wie mich beschweren, doch letztendlich kann ich nichts verändern, nichts beeinflussen, ausgenommen einige verzweifelte gespenstische Gestalten aufmuntern, die spät abends im Elend Oltens irrlichtern, und deren Lebenssinn seit geraumer Zeit schwand; von Zweifel verzagt, vor Demut gebückt, von Resignation erkrankt.

Ich bin eine Marke – Medienmitteilung

Wer das letzte Jahrzehnt im siegreichen Westen miterlebte, weiss, dass Marken fürwahr nicht auf Waren sich beschränken, sondern dass ebenso Menschen, deren Warencharakter vorerst ein Hirngespinst materialistischer Gesellschaftskritiker quotenmässig die Massen verunsicherte, verdingt und verkauft, beliebiger Marken gleichen.

Ich bin nun eine Ware und eine Marke, eingespannt ins System. Als Hofnarr angestellt, lebe ich als kleiner Fisch im Aquarium; der dem Aquarium des ursprünglichen Lebens entfremdete Bedingungen beanstandet, jedoch gleichzeitig von den Annehmlichkeiten eines Aquariums profitiert.

Heute startet das erste ernstzunehmende Premium-Blognetzwerk der Schweiz. Und ich bin dabei, klar. Was ich mir erhoffe, sind Mehreinnahmen, die das Leben als Quotenrebellen lebenswerter machen. Keinerlei moralische Bedenken muss ich erdulden, denn was in der Blogosphäre sich nun vollzieht, verlängert nur die Realität in einen bislang von Realismen und Zynismen desselben abgeschirmten Mikrokosmos.

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