Die Berufsarmee

berufsarmee.jpg

(Bildquelle: FAZ)

Dass mittlerweile sogar Staaten wie Unternehmungen bürokratisiert werden, ist Konsens pur, selbiges droht auch dem Militär, das, privatisiert und vergesellschaftlicht, im Absurden verquickte Forderungen erwecken könnte, sofern man das Recht auf Gewerkschaftsbildung nicht missbilligt.

Überverfeinerung der Party-Gänger

Die äusserliche Überverfeinerung, wohlgemerkt keine sittliche, traditionsreiche, der unzähligen Fellachen, die abends jeweils in weltstädtische Clubs marschieren, betrügt jene Überverfeinerung, die Roms Untergang einst beschleunigte, denn diese ganz neuartige, lediglich oberflächliche, roh gekleidete Überverfeinerung durchdringt nicht das Innern; sie ist und bleibt eine von Kulturindustrie erstandene Maske, so, dass trotz aller Überverfeinerung die nicht entwicklungsfähigen Fellachen stumpfen Barbaren gleichen, gänzlich ohne «Kultur» und «Tradition», eine Überverfeinerung nur für den einen Abend, eine temporäre, kurzfristige und vergängliche folglich.

Unterwürfiger Charakter

Zu offensichtlich ist, dass jemand, eventuell eingeschüchtert oder schlichtweg verängstigt, der seine Triebe, insbesondere Sexualtriebe unterdrückt, solange, bis sie gänzlich verschwinden, anfälliger gegenüber sendungsbewusste Herren ist, die unverhohlen sich greifen, was dereiner bedarf, so, dass wir denen die selbe Entschlossenheit auch anderen Themen fürsprechen – dies heissen wir den autoritären, unterwürfigen Charakter.

Der Krieg als Spiel – Star Trek

Irgendwann, vergessener Erinnerungen nach, sah ich, und sah eine bemerkenswerte Folge einer Star-Trek-Geschichte, die, wie wir allesamt wissen, die heutige Gesellschaft mittels verschlüsselten, kryptischen Botschaften, in geheimnisvollen Subtexten verborgen, verhöhnt; der Aberwitz des Krieges war abermals das bestimmende Thema, so, dass auf einem Planeten zwei Machtblöcke einander seit Jahrtausenden abschlachteten, soweit, dass die Selbstzerstörung unausweichlich nahelage, aber so voller esoterischer Technik, dass die Bewohner desselben Planeten ein Spiel namens Krieg erfanden; ein Computer simulierte den Krieg, Kriege fanden also nicht wirklich statt, der Computer berechnete jeweils die Anzahl der Toten, um den Krieg echter und realer zu scheinen, vereinbarten die Regierungen beider Blöcke, dass die vom Computer ermittelten Opfer nachträglich massakriert werden müssten, und falls eine Macht dies Gebot nicht befolgte, drohte ein richtiger Krieg mit richtigen Waffen, gleichwohl mittlerweile beide Völker verweichlichten, körperlich und psychisch degenerierten, und dadurch kaum imstande wären, einen echten Krieg zu vollstrecken.

Die Dummheit – das Geschäft

Die menschliche Dummheit, die bekanntlich ins Unendliche verebbt, ist nicht aufzuhalten, gleichwohl die ernsten Bemühungen der Aufklärung den Menschen zu erziehen wagten. Die Dummheit also, so muss ich vermelden, ist des Menschen stetiger Begleiter; Massen verwilderter, nicht entwicklungsfähiger Fellachen, die sorgenlos in den Tag leben, Lohn gegen Abhängigkeit tauschen und audiovisuell sich zerstreuen, sind folglich nicht auszuklammern. Mich ärgert einzig, dass alle Industrien diese Massen als «Zielgruppe» überhoben, dass selbst die Politik nur den Bedürfnissen und Erwartungen derselben Fellachenmasse gehorcht.

Dennoch Natur

Trotz aller technischer Überlegenheit, trotz unsrer Wettersatelliten, die voraussagen, wann und wo Regen fällt, trotz unsrer Medizin, die Leben verlängert oder verkürzt, trotz des Lichts, das die Nacht erhellt, trotz unsrer Kommunikation, die Zeitzonen überquert, trotz alledem unterliegen wir dem planetarischen und kosmischen Takt; die Jahreszeiten, der Frühling blüht, der Sommer drückt, der Herbst verflüchtigt, der Winter erstarrt, regeln dennoch unsren Alltag, die Erde umkreist dennoch die Sonne, Meteoriten schlagen dennoch ein und die Tiere besiedeln dennoch unsere Heimat.

Gerechter Krieg, Macht und Recht

Der «gerechte Krieg» legitimiert, so der gegenwärtige Konsens, Präventivangriffe, deren Attacken grundsätzlich chirurgischer Präzision gewahr und die rechtlich nicht mit einem offenen Angriffskrieg zu vertauschen sind, wobei ausdrücklich zivile Opfer vermieden werden sollten, und falls dennoch etwaige fallen, diese dann als unbeabsichtigter «Kollateralschaden» beschönigt verenden.

Unsere technologische Überlegenheit, insbesondere die Amerikas Luftwaffe, jederzeit jeden erdenklichen Punkt der Erde bombardieren zu können, ermöglicht uns, das «Recht» alleinig zu beanspruchen, über Schicksale anderer Nationen zu richten, als ob ein göttlicher Auftrag uns weihe. Wir entscheiden folglich, welche Staaten unsren Erwartungen entsprechen, und strafen diejenigen, die unsren Forderungen nach beispielsweise Demokratie und Kapitalismus trotzen, geheiligt als gerechter Krieg.

Die Macht, die wir also innehalten, über das Recht eines Krieges zu walten und Recht, und Macht miteinander zu verstricken, müsste uns, konsequent geschlussfolgert, ermächtigen, die Welt zu beherrschen. Unsere Sendung jedoch, die Welt zu befrieden, stützt keine Weltmehrheit, wir sind nämlich als Herren der Welt umstrittener denn je. Meines Erachtens muss eine Macht, will sie Recht über die Welt gebieten, diese würdig und stark, notfalls entschlossen repräsentieren, und genau dies misslingt uns.

Quelle: Süddeutsche: «Krieg – die moderne Rechtfertigung»

Vorbild Mörgeli

Der Schrumpfgermane Mörgeli, vormals Goebbels, ist mein Vorbild. Kein Scherz! Ich bewundere den weltstädtischen, zynischen und kalten Intellekt, den sowohl Mörgeli als auch Goebbels treffendst verkörpert. Die Allianz zwischen Intellektualität und Primitivismus erachte ich als düsterer, dämonischer als eine etwaige zwischen Kapital, Primitivismus und Technik. Ob die Schweiz hiermit, mit der Wahl der SVP zur stärksten Partei, einen Teufelspakt besiegelt? Kaum, ich hoffe, die von Mörgeli prognostizierte, nun von mir aufgerundete 50% totale Zustimmung wird dies endlich klären.

Konservative Revolution? Mit oder ohne Dissidenten?

«Unsere» Konservative Revolution ist grundsätzlich nicht zu verzögern, denn vorerst mangeln Alternativen, mit denen man notfalls eine Gegenrevolution initiieren könnte. Nicht einmal eine Situation des Entweder-Oder vermag die jeweilig konkurrierenden Anschauungen zu egalisieren, da der Konservativen Revolution kaum Widerstand droht, wie auch keiner demnächst zu verorten ist, nirgends eilt oder rettet eine Alternative.

Man darf also bekunden, ob die Konservative Revolution überhaupt zwingend zu bremsen sei, antwortet sie doch, trotz des begrifflichen Widerspruchs, einerseits zu konservieren und anderseits zu revolutionieren, auf die multipolare, pluralistische Welt wegen selbigen Widerspruchs.

Ich beispielsweise kann gewissermassen zur Konservativen Revolution eingereiht werden, denn die Absicht, eben einerseits etwas zu erhalten und anderseits etwas zu erneuern, erkläre ich beinahe täglich, schliesslich kann man nicht die gesamte Geschichte und die verwachsenen, zumeist vagen Traditionen ignorieren, sondern muss sie einfügen, integrieren und gegebenenfalls verbessern.

Aber in der SVP, die nun offiziell die Konservative Revolution beschwört, fühle ich mich kaum geborgen, sie nämlich schwindelt Revolution und heuchelt Konservatismus. Um Mörgeli frei zu zitieren, die SVP ist mir zu wenig radikal und ungenügend weltgeschichtlich, nicht einmal schlechthin die Alternative und Zukunft der Menschheit sei unsere volksnahe Spasspartei, weil ich die kleinräumige Kategorie des Denkens, die nur auf die Schweiz sich bezieht, längst für überwunden, überholt und widerlegt empfinde.

Quelle: Narrenfreiheit: «Konservative Revolution (st)eckt an»

Der wegen Modelleisenbahnen verjüngte Grossvater

Als verlorener Sohn ohne Rückhalt einer Familie, ohne Bindungen und mütterliche Fürsorge – dies allesamt vorneweg – idealisiere ich einen bürgerlich-gesitteten Grossvater, der, nachdem die gesellschaftliche Arbeit geschafft ist, mit Exaktheit und Sorgfalt eine Eisenbahn modelliert im selben Massstab seines Einkommens während der Arbeitszeit.

Die gewiss christliche Idee, dass das Jenseits einen für diesseitigen Mühen, Triebverzichte und Anstrengungen entschädige, verwirklicht der in sich geruhte und Modelleisenbahnen polierende Grossvater im Hobbykeller, mehr noch: gerade dieser Grossvater versinnbildlicht die Idee einer tüchtigen, fleissigen Gesellschaft, deren Lohnabhängige das Glück ins Jenseits externalisiert und wohl ausschliesslich darin wiederzufinden glaubt.

Sammelt man die Lebenspläne unzähliger arbeitsamer Jugendlichen, subtrahiert davon jene per Werbung und Konsum vermittelten Vorstellungen, die nur unser Resultat verfälschen, so kann man schlussfolgern, dass die allermeisten das Rentenalter romantisieren, genauer: die Erfüllung sämtlicher Wünsche, Triebe und Ziele jenseits des Arbeitslebens verorten. Man verschiebt folglich den Lebenstraum ins Jenseits, ins Jenseits, das wir, im Jargon der Eigentlichkeit, Beginn des AHV-Alters heissen.

Der Grossvater, dessen jahrzehntelangen Kulturanstrengungen, gewisse Triebe, Wünsche und Ziele zugunsten einer grösseren Idee zu unterdrücken, nämlich die einer tüchtigen und fleissigen Industriegesellschaft, man verzeihe mir meinen Pleonasmus, endlich, und zwar im Jenseits, fruchten, verkörpert nachgerade den Modelleisenbahn putzende, handelnde und begeisterte Grossvater.

In ihm erkenne ich nicht nur den fehlenden Grossvater meinerseits, sondern auch die Überreste eines bürgerlich-liberalen Zeitalters, dessen gesellschaftlicher Spiegel alleinig Fleiss und Tüchtigkeit waren, und worin das Wohl aller dem Wohl eines einzelnen vorging. Ja gewiss, ich idealisiere und nostalgisiere, ich beschönige und verherrliche – schliesslich – ich glorifiziere den wegen Modelleisenbahnen erfrischten Grossvater.

Seiten: 1 2 3 4 Nächste