Wirtschaft scheut Innovationen

Unsere Wirtschaft räkelt sich gern gern innovativ, doch tatsächlich ist sie feindlich bis ignorant gesinnt gegenüber Innovationen, die Arbeitsplätzen dezimieren würden; schliesslich bemühen die Unternehmen als soziale und ethisch korrekte Kapitalisten sich zu inszenieren. Weil Massenarbeitslosigkeit jede Gesellschaft destabilisiere, müssen die Unternehmen notgedrungen Innovationen vermeiden, da deren Produktion noch, mindestens theoretisch, für menschliche Konsumenten etlicher sinnfreier Schund fabriziert.

Wohlfühlkino und Fühlkinos Huxleys

Wer heute noch vom Wohlfühlkino plappert, der bricht mit der letzten Menschlichkeit, die nicht gänzlich motorisiert und verdinglicht ist. Woher dieser Begriff denn stammt, sollte eigentlich mehr schockieren statt empören. «Fühlkinos» ersetzen nämlich in der schönen neuen Welt Kunst und Literatur, worin die planmässige Bildungsferne Menschen solange bedrängt, bis sie kapitulieren. Wie mir scheint, sind wir längst bezwungen und somit verloren.

Der Protest als Popkultur

Die Möglichkeit, gegen etwas zu protestieren, ist heutzutage gemindert, weil die Industrie den Protest umgehend als Popkultur lanciert. Statt zu rebellieren müssen die Jugendlichen kapitulieren und sich arrangieren; und wo möglich, sich integrieren. Dieser Notstand, dass die Jugend das System nicht erneuern kann, sondern es bloss reproduzieren darf, muss irgendwann den Zerfall von Lebendigkeit und Zukunft verantworten; heute zwar noch nicht, denn alles scheint selig zu machen, doch irgendwann ganz gewiss.

Die künstlich verknappte Ware Mensch

Dass man prahlt, man sei ausgelastet, wodurch gewissermassen überfordert, verschuldet, dass auch Menschen als Waren handelbar sind; so sind die künstlich verknappten Waren plötzlich die begehrten; hierbei erinnere man die Stars, deren Charisma schwindet, sobald man sie kopiert und masslos reproduziert. Echte Stars sind nämlich Raritäten und keine Klone, und obschon der Markt eigentlich gesättigt scheint, verschleisst die Kulturindustrie trotzdem aufstrebende Stars; dies schadet dem Zirkus.

Dekadenter Biosprit

Auch ich bin empört, dass eine Welt, worin die Mehrheit hungert, Lebensmittel verbrennt, womit die Fetten schaukeln und brausen, Bequemlichkeit und Schwäche demonstrieren dürfen. Das westliche Automobil versinnbildlicht denn auch nicht mehr die grenzenlose Freiheit, sondern nur noch den selbstbezogenen Hedonismus, der den Zorn aller Hungernden und Leidenden anstachelt. Das Automobil vergöttert sozusagen den Menschen, aber bloss einzelne, die nun sich auch verantworten müssten, weswegen die Mehrheit verreckt, da Lebensmittel sich verteuern.

Der tragische Humanismus

Das Tragische Marxens Humanismus war, dass er, obwohl immer von Menschen zu sprechen glaubend, letztlich bloss über Maschinen, Kapital und Produktionsmitteln schwadronierte. Auch ist der Humanismus insgesamt eine tragische «Errungenschaft», ich möchte gar nicht auflisten, welche Gesinnungen schon Menschlichkeit reklamierten. Bereits die Nationalsozialisten propagierten, sie retteten die europäische Menschlichkeit vor der Selbstzerstörung und vor den Bolschewisten. Und heute schwindelt die freie Marktwirtschaft, sie schütze Menschenrechte, als sie hinterrücks dieselben Rechten verkauft.

Weshalb ich die SVP nicht mag

Nun, was mich denn noch unterscheidet von der SVP, will man ja gerne wissen, politisiere ich doch ebenfalls «konservativ», verehre die abendländische Christenheit wegen vernünftiger Zuchtpolitik, bewundere Israel und die USA und sympathisiere mit den Südstaaten; ja eigentlich Anschauungen, die mich zum beispiellosen politisch Inkorrekten zertifizieren würden.

Und trotzdem beargwöhne ich die irre SVP, vermutlich, weil sie mir zuwenig rechts und radikal ist; zuwenig düster und dämonisch; zwar ist Mörgeli eine ganz böse und schmierige Gestalt, doch nicht ausreichend; meinetwegen dürfte Mörgeli elitärer, reaktionärer und antidemokratischer fuchteln und politische Gegner denunzieren; er solle sich endlich mit Goebbels messen.

Ausser Mörgeli gefallen mir keinerlei SVP-Böcke, Blocher ist mir denn auch zu volkstümlich und zu bodenständig, zuwenig intellektuell abgehoben und elitär; und er personifiziert eher den Hofnarren als das reine Böse; somit ist er kaum wählbar. Denn Politik ist schmutzig, folglich müssen deren Exponenten die schmutzigsten und bösesten Kreaturen sein; Berlusconi, der in Italien seit längerem experimentiert, dürfte hierzu Vorbild sein.

Weil das Böse des Menschen bloss mit entschlossener Bosheit zu neutralisieren ist, worauf sodann endlich die Geschichte ende und Konsum den Menschen heilige, muss die Politik des Bösen sein, und bloss des Bösen dienen; sie muss zerstören, blockieren, opponieren und verhindern. Sie muss das Hässliche und Böse des Menschen statt verschleiern verkünden. Doch die SVP fasziniert momentan kaum, da zuwenig böse und scheinbar im Selbstzweifel verworren.

Soll ich Tragödien schreiben?

Tragödien assoziiere ich mit Kleist und mit der Menschheit. Und auch ich bin tragisch gescholten, eine verbitterte und untröstliche Gestalt; verworren und verloren. Und doch mag ich mittlerweile keine Tragödien mehr schreiben; ich ahne denn tief und schwer, dass sie mich zerfleischen werden. Und doch, und doch spüre ich, als kürzlich ich freundlicherweise angefragt wurde, ein Theaterstück zu schreiben, dass Tragödien den meinen Stoff und Inhalt wären.

Den Aufklärungsidealen verdrossen

Den in seelenlosen Weltstädten herum lungernden und verwahrlosten Fellachen langweilen die im Spektakel antiquiert scheinenden Aufklärungsideale, wofür unsere Vorfahren kämpften; ebendass der Mensch sich befreien könne von panem et circenses, das die letzte Kulturtechnik einer jeden Zivilisation ist. Tja, weil die Menschen heute dermassen verängstigt sind, ersehnen sie bloss noch Brot und Spiele; mehr wüssten sie auch nicht zu bedürfen. Untröstlich.

Kein Kommentar zum Kosovo

Lang schwieg ich, und ich gedenke auch nicht, mein Gelöbnis zu brechen; die Situation, die die Medien virtualisieren, behagt mir nicht sonderlich; ich bin denn auch grundsätzlich pessimistisch und negativ voreingenommen, ja ich bleibe getreu dieser Voreingenommenheit und derlei Vorurteilen, die mich schützen und manchmal auch vor etlicher Dummheit retten, die zu vermehren sich anmasst.

Kosovo! Ja oder Nein war lange die Frage, einig wurde man bisher noch nicht, auch hierzulande nicht gänzlich; eine gewisse Partei opponiert; zurecht, denn was der Führer sagt, ist Recht. Als Freund serbischer Immigranten, auch hierzulande bestens sozialisierten wie integrierten, bedauere ich selbstredend, dass die Kosovaren einseitig sich abspalteten. Persönliches vermischt sich hierin mit Politischem; eigentlich ganz normal, so handhaben wir denn auch heute Politik: als individuell, und doch massenhaft emotionalisiertes Spektakel, das künstlich Kontroversen schürt.

Endgültig entschied ich mich nicht, ich verweigere mich immer noch einer klaren Aussage, eines deutlichen Bekenntnisses; zumal mir scheint, dass eine Gesellschaft sowieso verrotten, bestenfalls sich abschotten soll, die bloss anhand ethnischen wie religiösen Kriterien sich sortiert und gruppiert. In einer Welt, wo bloss der Markt zählt, sind solcherlei Kategorien denn auch hinderlich; verschmutzen den naturgemäss reinen Markt. Wo Menschen also bloss noch Funktionseinheiten seien, ist auch die Nationalität unbedeutend; eine nebensächliche Folklore; global denken, lokal handeln! obzwar.

Ehrlich gesagt, ich ignorierte den Prozess, verfolgte nicht einmal die Arena, wenngleich mein ehemaliger Schulkamerad dort debütiertet. Und auch ignorierte ich alle die Artikel, die seitdem die Aggregator verstopften. Denn die wirklich tragischen und erschütternden Momenten der Weltgeschichte vermisse ich noch; das Finale, das Ende, womit der Verdruss sich endlich entladen möge. Das einzige, was mich begeisterte und beglückte, war, dass der Kosovo neuerdings von der EU verwaltet wird; endlich sind wir wieder Kolonialherren! Lange musste ich warten.

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