Dieser momentan so vielfach zitierte und herumgereichte Film gefällt; auch wenn er bisweilen plakativ und provokativ den Islamismus verteufelt, so bin ich doch vorübergehend willens, Demokratie und Liberalität zu billigen; aber bloss vorübergehend, bis alternative Lebensideen das metaphysische Vakuum zu stopfen vermögen, das der mechanisierte Kapitalismus sprengte. Also, ob meiner Unterstützung im «Kampf» könnt ihr, wer auch immer mobilisiert ist, vergewissert sein.
Vorübergehend Ja zur Demokratie und Liberalität
«Guten Hunger» und «Guten Appetit»
Ich weilte ja kürzlich in Berlin; besonders bemerkenswert empfand ich, dass Menschen dort einander einen «guten Hunger» statt wie hierzulande einen «guten Appetit» wünschten. Semiotisch erklärt, sind die Unterschiede hierfür erschreckend: Wogegen in Deutschland man mehrheitlich den blossen Hunger sättigen muss, also die Nahrung noch etwas Existenzielles ist, desgleichen einer «Notdurft», essen wir hierzulande bloss noch wegen eines Appetits; unsere Nahrung ist demnach überflüssig, nicht notwendig oder existenziell: dekadent schlechthin.
Ist Knut entfremdet?
Der Blick rätselt, ob Knut ein Psycho sei, weil er bloss noch nach Aufmerksamkeit giert; und wird diese ihm enthalten, randaliert und rauft er. Die Pfleger behaupten überdies, Knut empfinde sich als Menschen. Entsetzlich, nicht genug, dass wir selber entfremdet, auch die Tiere müssen entfremdet werden; soweit schon, dass Eisbären sich bloss noch als kranke Menschen reflektieren können. Wie würde wohl Gott urteilen, dürfte er uns noch beiwohnen, hätten wir ihn nicht ermordet? Arme Tiere, mir käme es recht gelegen, würden die Tieren sich endlich rächen; Seuchen, Viren oder dergleichen als Folge dessen.
Erste Kolumne «ZWISCHENZEIT» bei «FACTS 2.0»
So, ich bin nun ganz offiziell «Kolumnist» oder «Kommentator» bei FACTS 2.0, mein erster Kommentar respektive meine erste Kolumne ist freigeschaltet. Jeden Freitag werde ich fortan wüten.
Die Grünen und die Konservativen?
Deutschland rätselt, ob die Grünen und die Konservativen einander ähneln. Gewiss, entgegne ich, denn beide Parteien sind «irrational» und «mystisch» veranlagt, auch war Ernst Jünger, ein bekennender Konservativer, zugleich der geistige Urheber der Grünen.
Folgen eines toten Subjekts?
Weil mir scheint, dass das Subjekt starb, müsste ich die Folgen dessen analysieren; doch sie sind mir zu düster; so wäre ohne Subjekt eben weder Politik noch Staat zu machen; wir wären endlich nichtig und beliebig, wir könnten uns bloss noch mechanisieren und industrialisieren. Ohnehin: den Glauben ans Humanistische des Menschen ist mir verloren; wir sind nunmehr Objekte der Macht.
Ich muss nach Berlin
Oh. Mir gefällt gerade ein, dass ich nach Berlin verreise: diesen Freitag zwar. Ich reise ja ungern, diesmal werde ich allerdings begleitet, und doch weiss ich nicht, wohin ich mich treiben solle; Berlin ist riesig, und flach, man verliert sich schnell; manche Gassen sind denn belebt, manche wiederum scheinen wie ausgestorben. Was wollt ihr mir empfehlen? Die klassischen Sehenswürdigkeiten interessieren mich kaum.
Armer Nietzsche
Ach Nietzsche, nirgends darfst du ruhen, nicht einmal dortselbst, wo du begraben schlummerst; ja wo man neuerdings, die grosse, dadurch anonyme, weil verantwortungslose Öffentlichkeit, Kohle vermutet. Jetzt wirst sogar du noch geopfert der Barbarei, soviel Kohle als möglich zu schaufeln; ach, wie du wohl sagtest, heute ist ja nichts mehr heilig.
Demokratie und ich?
Weswegen befürworte alle die, die sonst keinerlei Meinung haben, unsere elende Demokratie? Weil sie keine Alternativen kennen oder sich vorstellen können. Eigentlich ja plausibel, die Alternativen, die die Demokratie überwinden wollten, scheiterten allesamt. Und weswegen beteilige ich mich nicht, ich könnte mich ja als Demokrat profilieren, vielleicht sogar verfetten? Weil ich noch hoffe, weil ich noch hoffen kann, dass die Demokratie tatsächlich irgendwann verbessert werden könnte; doch nicht mittels den heutigen Bedingungen, kaum und keineswegs; die Gegenwart selber taugt ja nicht einmal zur Demokratie, schon allein damit sind wir hoffnungslos überfordert.
Arbeitspolitik ist Zuchtpolitik
Arbeitspolitik ist Zuchtpolitik, denn Selbsterhaltung und Fortpflanzung bedingen Arbeit. Folglich arbeiten Menschen bloss, um die eigene Reproduktionstechnik zu verbessern. So ist sinnigerweise ein hart arbeitender und dadurch wohlhabender Mensch ein begehrterer und ergo erfolgreicherer als jemand, den man «arbeitsscheu» und «faul» schimpft. Deswegen entsorgte die Schweiz bis 1968 «arbeitsscheue» Jugendliche in Gefängnissen; sie gefährdeten denn nicht bloss das eigene, sondern auch das Leben der anonymen Öffentlichkeit.