So, die Hungeraufstände sind vergessen. Endlich, ich konnte mich kaum noch schützen, ich weiss nicht, wieso gerade Hungeraufstände mir zusetzten, verhungern doch täglich eigentlich genügend Menschen, fürdass man sich empören dürfte. Keine Ahnung. Ich will das Thema schleunigst verdrängen, ist mir zuwider, zuviel Zeugnis einer gescheiterten «Zivilisation».
Hungeraufstände vergessen
Blablabla Weiber
Dass die zeitgemässen, in Weltstädten verderbenden Weiber die christliche Ehe scheuen, ist mir Gewissheit genug, dass mit solchen Weiber keinerlei Zukunft zu gestalten sei. Wie auch immer. Weil, dass der weisse Mann aussterbe, beschlossene Sache ist, ist mir auch zuwider, überhaupt noch dagegen zu opponieren. Wieso sollte ich denn? Seien wir doch wenigstens würdevoll, krachen wir doch zum letzten Mal!
Abstammung? – Interessiert mich nicht!
Vielfach fahnden Menschen, wovon sie abstammten. Ich nicht, denn die Gewissheit, dass wir allesamt vom selben Geschlecht sind, ist mir kaum eine bemerkenswerte Trouvaille. Wieso sollte ich also prüfen, wessen Stamm der meinige sei, wenn der Urstamm sowieso ein und derselbe ist? Zwar ist verständlich, dass die momentan geschichtslose Gegenwart, die bloss das Gegenwärtige umkreist, besonders fürs Althergebrachte und Ursprüngliche, fürs immerwährend Wahre sympathisiert, doch diese Sehnsucht ist mir fremd, gerade, weil ich mich gänzlich entwurzelt und vollends entfremdet fühle, deswegen auch keiner Forschung bedarf, die mich aufkläre, worin ich denn wahrhaft gründe.
Wirtschaft als Krieg
Eine blinde Hand, wohl wissend, dass sie mitnichten zielen kann, besät den Markt. Daraus reift die Frucht, die wir Nachfrage nennen, die wiederum Angebot reproduziert. Oder andersherum? Wie auch immer. Am Anfang war allein der Markt, danach der Handel, zuletzt, irgendwo und irgendwann am Ende der Geschichte bilanzierend, das Wort und der Geist. Dramatischer konnte der Tabubruch nicht sein, Goethes Faust war hierüber geradezu zahm. Wirtschaft ist Krieg, Krieg ist Natur, ein Kampf, Kampf des Überlebens. Deswegen klagt man ja über «härtere Zeiten», die anbrechen und die Idylle stören würden, welche ein gesättigter Markt simuliert. Vermutlich. Mich empört bloss, dass die Tatsache, dass Wirtschaften gleichzusetzen mit Bekriegen sei, kaum erhört oder geprüft werde. Weswegen denn nicht? Dann dürfte man endlich wieder den Krieg verherrlichen. Oder ist schon, wer den Wettbewerb vergöttert, ein Kriegsverbrecher? Nun, erwiesenermassen liebt der Mann das Kämpferische, das Abenteuer. Der Markt ist ja riskant, man lobt und rühmt, wer etwas riskiert; Unternehmer zu sein ist die Vollendung des menschlichen Seins. Der Markt ist genauso Kampf, bloss der Tüchtigste überlebt, darf sich fortpflanzen. Weswegen sagt man nicht, was ist, dass Wettbewerb und Konkurrenz bloss verhältnismässig zivilisiertere Kriegsformen seien? Man sollte ehrlicher sein, dann könnte man die «Verlierer» auch eher vertrösten; ja sie hatten deswegen verloren, weil sie mangelhaft sind, nicht weil das System erkrankt. Man könnte Solidarität endgültig entsorgen; man müsste ja bloss noch kämpfen. Ja, man sollte «radikaler», zumindest offenkundiger sein. Allein dies ekelt mich, diese Scheinheiligkeit, die man noch übertrumpft, indem man behauptet, alle Chancen und Möglichkeiten seien gleich verteilt. Man sollte Armut endlich als selbstverschuldet erklären.
Freitagskolumne #5
Zwischenzeit: «Der hässliche Mensch»
Sprachlich einfach gehalten.
Technikbegeisterte Mädchen?
War nicht gerade ein Mädchen-Tag? Ein staatlich verordneter Anlass, die jungen Mädchen des Technischen zu unterrichten? Vermutlich, vermutlich doch. Überflüssig. Wieso sollte man hierfür Interesse wecken, notabene künstlich schüren hinsichtlich dessen, dass Mädchen sowieso anderswo Präferenzen hegen? Ich meine, verständlich, dass der Staat allen misstraut, stets befürchtet, eine Gesellschaft könne erkranken, gewiss, wir sind ja auch allesamt erkrankt, aber trotzdem, er solle den Mädchen doch mindestens jene Freiheit gönnen, selbständig zu scheiden, wofür man sich denn interessiere. Wenn die Technik nicht im Interesse der Mädchen ist, so solle man dies gefälligst akzeptieren und ja nicht ändern.
Die Engagierten
Die letzte Kulturrevolution war allein ein Projekt einzelner «Individuen». Hierfür zahlten wir, die wir nachgeboren sind, den Preis totaler «Entpolitisierung». Gewissermassen beneide ich auch die Herren, Weiber ausgeschlossen, denn Weiber sind bloss Objekte der Weltgeschichte; sie nämlich durften noch experimentieren, das letzte Mal politisieren. Man nannte sie die «Engagierten». Heute ist Politik tot, nunmehr Ästhetik und Wahn. Bedauerlich eigentlich.
Kontrollbewusstsein
Mir ist ersichtlich, dass der Mangel an Kontrolle, beispielsweise über der Natur, der Mensch dadurch kompensiert, indem er eine eigene «Natur», Regelmässigkeit und Kausalität erschafft. Dies einerseits, um sich trösten zu können, man sei weder Herr auf Erden noch im eigenen Kopf, und anderseits, um das wohl naturgemäss veranlagte Bedürfnis des Ichs, unbewusste und natürliche Objekte zu herrschen, zu befriedigen.
Riskante Reichsgründung
Vielleicht erinnert sich noch jemand, wo der preussische König Wilhelm I. sich zum deutschen Kaiser erhob. Nämlich in Versailles, und zwar, nachdem die Preussen die Franzosen militärisch schlugen. Ein militärischer Sieg begründete also das Reich, wonach fortan das Reich aber militärischen Erfolgen bedarf der Legitimation wegen. Will sagen, weil das Reich militärisch konstituiert worden war, konnte es sich bloss militärisch rechtfertigen. Ein Problem, wahrlich. Die Reichsgründung war tatsächlich ungeschickt und äusserst riskant.
Unheilige Allianz
Beispielhaft des Nationalsozialismus war, dass er die technokratische und ökonomische Rationalität vermengte mit autoritärer Führung, verrührt mit primitiver Spiritualität. Dies Gebräu, das immer explosiv ist, schmecken wir auch heutzutage. Zwar nicht hierzulande, unsere Demokratie wahrt denn noch den Schein einer selbigen. Aber so doch im fernen Ausland, bekanntermassen in China. Allein besorgt, dass unsere Rationalität immer mehr irrational gerechtfertigt wird.