Keine Lust zum Sinnieren

Irgendwann ist man verdrossen, ist übermüdet und erschöpft, immer zu reflektieren, das Erlebte, Gesehene und Gedachte zu vergegenwärtigen. So wird man bewusstlos. Dies Ziel heisse ich willkommen, denn auch ich bin übermüdet. Ja, doch solange die Existenz des Ichs und der Seele mitnichten widerlegt werden kann, bin ich wohl verdammt hierzu, weiterhin zu sinnieren. Elendst!

In der Massenkultur angekommen

Ich bin neuerdings registriert dort, wo man Leute versehentlich klickt, die man im ersten Leben längst nicht mehr kennen möchte. Ich bin beschämt, allein meinetwegen, bloss weil ich fasziniert war, dort alle sie wiederzusehen, die ich eigentlich verdamme. Ja, war zu reizend. Verzeiht mir. Ich werde auch streng und artig mich gerieren, kaum Kontakt intensivieren.

Doktor-Titel? Vielleicht!

Vielleicht, um dereinst die eigenen Kinder zu besänftigen, hole ich nach, wonach ich seit Kindheit sehne: den Titel eines beliebigen Doktors. Doch den Aufwand scheue ich, zudem die Kosten. Falls ich tatsächlich einen Doktor-Titel erwerben sollte, dann sicherlich einer der Ökonomie, nichts Philosophisches, nichts Menschliches also, das wäre mir gänzlich zu anstrengend und mühsam. Ja gewiss, kein rühmlicher Titel, lieber hätte ich einer der Theologie, so kann Wissenschaft überhaupt beginnen, alles andere ist Spekulation. Doch ich muss realistisch bleiben, weil bin zu alt geworden.

Edle und vulgäre Zivilisationen

Edle Zivilisationen kennen Aufstieg und Niedergang, vulgäre Prosperität, so ungefähr Nicolas Gomez Davila. Das kann ich bejahen, nichts ist langweiliger, nichts ist ermüdender und verderbender als vermeintlicher Wohlstand, der jährlich um ein Prozent wächst oder ums selbe Mass schrumpft. Entweder-oder.

Empörte Waffenhändler

Bedenklich ist, dass man sich empört, falls Waffen dorthin exportiert werden, wo sie gebraucht werden. Ja, wir sind tatsächlich die irrsten Waffenhändler. So kann man nicht handeln. Auch Waffen sind bloss Waren, die andere Waren, Menschen, töten. Wen interessiert es noch, wer wo stirbt? Vielleicht die Tagespolitik, um Betroffenheit zu simulieren. Ach.

Verlorene Anständigkeit

Die Zivilisation ist brüchig, allerorten ist sie bedroht, gefährdet, jedermann sucht sie zu überlisten, jedermann ersehnt ihren Untergang. Die Anständigkeit verlor. Seien wir also unanständig! Nun überlebt bloss der Stärkere. Ich vermutlich nicht, ist mir denn zuwider.

Das fragliche staatliche Gewaltmonopol

Bislang monopolisiert der Staat die Gewalt, so darf ausschliesslich der Staat Gewalt ausüben. Wie oder ob man einen gewalttätigen Staat kontrollieren könne, ist einerlei, vielmehr bedenklich ist, dass dieses Monopol momentan fraglich scheint, allerorten verspottet und relativiert wird: nämlich wegen der «Affäre» um einen Armeechef, der offenbar scheiterte im Privatleben, das nun öffentlich ist. Muss man nun die Privatisierung der Gewalt befürchten oder befürworten?

Den Tag überstanden

Gestern aufm Weg in die lokale Stripbar irgendwo steckengeblieben, den Dandy markiert, betrunken, elendst über war mir. Und trotzdem den Tag überstanden, einigermassen gemeistert; nun werde ich abermals verwöhnt, darf mich entspannen. Reizende Gewissheit, Beständigkeit. Ich vergesse mich. Ach.

Pathologie des Angestellten?

Ob die Pathologie des Angestellten bereits erforscht sei? Kaum, den letzten Buscheinwohner konnten wir zwar katalogisieren, doch den gemeinsten aller gemeinen Menschen nicht: der gewöhnliche Angestellte, dessen Tragik ist, lebenslänglich zu schuften, wofür er aber nicht weiss. Das Elend der Lohnabhängigen ist tatsächlich.

Landleben

Das Landleben ist auch mir behaglich. Eine intellektuell-attraktive Frau bewirtet mich. Ich selber geniesse die Aussicht; grauer Himmel, so wie ihn nur ich mag. Und alle sie, die normalerweise das Quartier bevölkern, beschallen mit Plausch und Nettigkeiten, sind verstummt. Ach, so kann selbst ich das Leben schätzen.

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