Erkrankt

Es ist untröstlich. Seid froh, durftet ihr mich gestern nicht erleben inmitten der sündigen Grossstadt namens Zürich. Meine Wehklagen waren nämlich grausam. Und als endlich heimgekehrt, ins stinkende Olten eingekehrt, sind sie bloss noch lauter geworden. Ich glaube, ich bin oder ich war erkrankt; ich kann es nicht recht beurteilen. Jetzt jedenfalls glaube ich mich besser zu fühlen, jedoch ohne Gewähr.

Die Milde in mir

Es gibt Menschen, deren Wert ich niedriger als jener freier Ratten erachte. Solche meide ich, solche ignoriere ich; solchen wünsche ich ausnahmslos den Tod. Doch was mich letztlich noch hindert, gänzlich zum Eugenetiker verderben, dessen Ziel eine «bereinigte und verbesserte Rasse» ist, ist, dass ich zu gutmütig, zu nachgiebig bin; also jedem noch das Recht billige, irgendwie und irgendwo zu fristen. Hierfür, nämlich einen gewissen Schlag Mensch restlos auszurotten, bin ich wohl zuwenig böse.

Hochmut

Es ist Hochmut, der in Versuchung mich schickt, übers Mässige hinauszustreben nimmermüde und immerfort. Es ist gewiss teuflisch, eine teuflische Versuchung, die Grenzen zu überschreiten, allein um dorthin zu gelangen, wo vermeintlicher Ruhm meiner sich offenbare. Und doch ist es Alltag, Maxime und Programm unsrer Gesellschaft. Daher ist Ungehorsamkeit wider Sittlichkeit. Es ist mir also geraten, zu kapitulieren, folgerichtig sowohl meine Seele also auch meinen Körper zu verhökern.

In Gesellschaft mit Linken

Unlängst, eingeladen anlässlich eines Geburtstages eines nahen Verwandten, schien mir, als sei eine Gruppe treuer Sozialisten versammelt, deren Ironie bemerkenswert kling; es sei doch empörend, dass man neuerdings gute Menschen als schlechte schimpfe. Leider bin ich damals in eine Diskussion gedrängt worden, obgleich ich mehrmals beteuerte, dass das Politische privat sei, wogegen der altlinke Chor protestierte erwartungsgemäss, alles Private sei politisch. So geschah es, dass ich mein Ansehen verlor; man bezichtigte mich einer «Aggressivität», die sich nicht zieme in Geselligkeit. Nur zu, andere nennen es wohl Leidenschaft.

Immer wieder sich vergleichend

Wenn ich mich vergleiche mit Gleichaltrigen, und das ist oftmals der Fall, schliesslich ranken wir alle irgendwie, was wir letztlich als «Wettbewerb» titeln, so ist das Gefühl unvermeidlich, dass die meine Intelligenz eine bemerkenswert düstere und fatalistische ist. Wogegen andere sorglos frohlocken, ist mir selbst der Rausch bloss gewährt als Möglichkeit, das Elend der modernen Menschen zu dramatisieren. Und wogegen manche sich sozial engagieren, vielleicht sogar die Grünpartei wählen, boykottiere ich Politik so konsequent als nötig. Folgerichtig bin ich tatsächlich verdorben, jenseits und abseits.

Tiefe Rohstoffpreise wegen Olympiade

Grossveranstaltungen sind hungrig; man muss Stadien bauen, Menschen umsiedeln oder verhaften und Strassen teeren; und beginnt der eigentliche Anlass, ist die Produktivität einer ganzen Volkswirtschaft gelähmt; denn auch Strom muss rationiert werden, fürdass die Sportstätten medienwirksam beleuchtet werden können. Daher sinken momentan die Rohstoffpreise. Doch sobald die Spiele entschieden sind, dürfen wir allesamt wieder steigende Rohstoffpreise erwarten. Spekulanten sei also geraten, jetzt zu investieren.

Quelle: Rohstoff-Woche

Sehnsucht von 1914

Wikipedia über «Fin de siècle»

Diese Zeit ist geprägt von einem Schwanken zwischen Aufbruchstimmung, Zukunftseuphorie, diffuser Zukunftsangst (siehe Degeneration) und Regression, Endzeitstimmung, Lebensüberdruss, Weltschmerz, Faszination von Tod und Vergänglichkeit, Leichtlebigkeit, Frivolität und Dekadenz. Das heisst, dass eine allgemeine Krise das Bewusstsein der gesellschaftlich massgeblichen Schichten ergriffen hat, weil die Grundwerte des sozialen Lebens als gefährdet erscheinen. In einer überall zu beobachtenden politischen Überreaktion der europäischen Führungsschichten auf die Krisenerscheinungen und einer «grossen Angst, die unter den Herrschenden umging», vollzieht sich eine kontinuierliche militärische Aufrüstung: «Die Militarisierung nahm einen jeden geschichtlichen Vergleich sprengende Dimension an.»

Das war vor 1914. Und Bonmots unterschiedlicher damaliger «Intellektuellen» suggerieren, dass man den Krieg regelrecht ersehnte. Dass dieser monotone, ganz und gar anonyme Krieg alle sie enttäuschte, darf man als weitere Tragödie der Weltgeschichte begreifen. Nichtsdestotrotz, auch ich wünsche mir einen grossen, gewaltigen und spektakulären Krieg, bestenfalls einer, der keine Fronten mehr respektiert und total ist.

Eine schöne Frau: Hochkultur

Tatsächlich, eine Frau, die sich morgens zurecht macht, tut mehr für die Kultur als alle Kulturfunktionäre, deren Verschulden moderne Kultur heisst. Das Geld, womit man die Kulturlinke künstlich ernährt, ist sowieso verloren, gleichgültig, ob man lausige Künstler honoriert oder die Hungernden der Weltstädte füttert. Ach, es ist untröstlich. Ich jedenfalls boykottiere alle Kultur, ich begnüge mich stattdessen mitm Anblick schön-jünger Mädchen, die sich ordentlich schmücken.

Was sind schon westliche Interessen?

Was sind schon westliche Interessen? Einbisschen Markt, mehr nicht. Einbisschen Handel noch, na gut. Doch das war es. Recht so auch. Markt und Handel bedingen weder Menschenrechte noch Demokratie, das ist bloss Gerede, um den Konsumenten zu vertrösten. Markt und Handel sind ebensogut in China oder in Russland möglich, wobei Russland noch der sympathischere Partner ist. Was sind also westliche Interessen? Es ist im Interesse des Westens, dass Märkte nicht staatlich reguliert werden, so wie dies im Falle Chinas, das zwar auch einen «Markt» kennt, diesen aber staatlich «beherrscht». Das Problem ist, dass der Westen kaum staatlich interveniert, zumindest bloss vereinzelt, falls die Öffentlichkeit es gebietet, wohingegen China oder Russland skrupellos staatliche Interessen im Markt ausschreiben oder eintreiben.

Strassen bauen? Autos verbieten?

Manche opponieren gegen Strassen oder teure Fahrzeuge. Dürfen sie. Leider. Hierfür ist die Demokratie tatsächlich zu bedauern; und ich hoffe, wir bereuen, dass jedermanns Stimme erhört wird. Zumindest theoretisch, praktischerweise filtern die Medien das Stimmengewirr; die Quintessenz hiervon ist blosses Gelaber.

Die Menschen sind nicht zu ändern; wollen sie fahren, dürfen sie fahren, gleichgültig, ob sie dadurch den Planeten verschmutzen und die Landschaft verschandeln. Sie sollen alle fahren. Es ist undenkbar, einen Fortschritt zu opfern nur, dass etwaige Brandstifter beruhigt sind. Aufs Auto verzichten? Niemals, denkt sich der gewöhnliche Lohnabhängige.

Recht hat er. Allein der Krieg erzieht den Menschen, aber doch nicht Postulate, Referenden, Vorschriften oder Initiativen. Möchte man den Menschen also das Fahren verbieten, muss man sie vernichten, oder mindestens dezimieren. Ich kann die Grünen wahrlich nicht verstehen, auch wenn ich selber weder Auto fahre nicht mitfahre.

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