Vielleicht seid ihr unterrichtet: jedenfalls zügelte ich. Nun bewohne ich zwei helle und grosse Zimmer. Im einen schlafe ich, im andren arbeite ich, gelegentlich zumindest. Es ist schön; und gefällt. Fotos veröffentliche ich aber keine; gibt auch keine, Erinnerungen werden systematisch-periodisch vernichtet.
Gezügelt
Die Macht des Dollars
Allein die beispiellose amerikanische Rüstung deckt den substanzlosen. Sobald diese Macht sich verausgabe, im Nebenschauplatz sich blamiere, verschwände die Anziehungskraft, das Sendungsbewusstsein des Dollars. Somit wäre die Vollendung westlicher Unordnung unumstösslich. In Afghanistan richtet sich derzeit, ob die westliche Zivilisation bereits ist oder noch wird.
Wieder hier
Ich bin übrigens, wer’s nicht bemerkt hat, «heimgekehrt»; weilte drei Wochen in Dresden. War nett und schön. Doch nun bin ich wieder hier: und einsamer und verlorener als zuvor. Das war ich seit jeher; wer Genialität beansprucht, gewisse Kreativität einfordert, der muss dies entgelten mit Kälte und mangelnder Liebe. So ist’s mir geschehen. Und jeder Mensch, den ich mochte oder liebte, stirbt. Viel tragischer jedoch ist, dass solcherart Teufelspakt Fiktion eines Fiebertraums ist und bleibt; hieran wird sich niemals etwas ändern.
Das Fernsehen schmähen
Schlechtes Fernsehen zu schmähen überfordert niemanden. Auch mich nicht. Wäre ich gewillt, beispielsweise, weil die Gesellschaft es zieme, so könnte auch ich durchaus und durch und durch das Fernsehen schelten als quasi geförderte und tolerierte Gleichschaltung. Doch man ist, ist man einmal verloren und vergessen, keinesfalls bemüssigt, eine «bessere Welt» zu gestalten, worin auch das Fernsehen gescheiter ist. Daher sind solche Klagen, die momentan überborden, nicht die meinen: vielmehr muss das Fernsehen verdummen. Es ist Zweck und Bestimmung.
Auf verlorenem Posten harren in Dresden
Ich bin in Dresden. Viele Sehenswürdigkeit. Doch sie alle wirken zerfallen. Barock? Hiesse das nicht Prunk? Gleich wie Solothurn? Mitunter ja. Aber Dresden ist dreckig und schmutzig. Und dem Leitungswasser würde ich nicht trauen.
Was mir aber auffiel, ist ein Mann, der tatsächlich auf verlorenem Posten harrt. Ein bärtiger, weil alter Mann, der die liederliche Junge Welt feilbietet, und dazu immer eine Sowjetflagge schwenkt. Und dies vorm Karstadt.
Sonderbare Ironie. Und dort ist er wohl bemüht, die Flaneure zu missionieren, deren Intention unklar und deren Sehnsucht offenkundig ist. Ach, das ist wahrlich untröstlich; daher irgendwie schön: auf verlorenem Posten zu harren.