Im Hotel verzweifelnd

Zwei bis drei Tage in einem verhältnismässig schicken Hotel zu nächtigen kann man wohl, als unbefangen Externer, tatsächlich als behaglich beurteilen. Doch eine längere Zeit in einer fremden Stadt zu weilen, die als Attraktion bloss Konsumation bietet, kann einen langweilen und somit in Alkoholismus treiben. So ist es mir heute. Ausm Hotel erblicke ich einen irren, beinahe surrealen Markt, weil er ausschliesslich Weihnachtswaren ausstellt. Dessen «Hintergrundsmusik», die ewigen Klassiker der «besinnlichen Zeit», ist kaum mehr hörbar. Ich könnte zwar verschwinden, in meine Stammcocktailbar untertauchen, wo man sogar noch rauchen darf und mich solange betäuben, bis ich bewusstlos bin. Aber auch diese «Option» ist je länger je mehr unbefriedigend. Also harre ich hier, warte, bis es dunkelt. Solange muss ich mich nämlich noch gedulden, bis der nächste «Anlass», eine spontane Verabredung, mich vor Langweile und Müdigkeit feit.

Untröstlich

Wer einmal ohne Geld lebte, folglich wahrlich in den Abgrund stürzte, und somit die Rolle des Geldes als quasi universelles Kommunikationsmittel begriff, dem wird gewahr, dass der Mensch entwertet, eigentlich sinnlos ist. Dies umso mehr, als er plötzlich Geld hat, aber trotzdem nichts ist. Sodann bedeutet Leben Fristen. Also friste ich, also warte ich. Worauf und wofür ist mir gleichgültig; ich bin schliesslich bereits tot.

Statusbericht von Dresden

Dresden. Der Schnee ist weiss. Die meine Frisur verweht. Der Frass grässlich. Die Weiber unsichtbar. Das Programm straff. Die Nacht kalt. Die Strassen glatt. Die Stadt quasi zurückgebaut. Die Hotelbar trostlos. Die Freiheit teuer.

Die Krise?

Die Krise? Ich sehe keine Krise; ich rieche und fühle keine, ich meine auch keine tatsächlich. Ich weiss nicht, worüber die Fachzeitschriften jammern, worüber das staatliche Fernsehen des Abends berichtet: eine Krise? Ich äussere mich erstmals über eine vermeintliche «Krise»; aber auch nur, um sie zu dementieren. Und falls eine Krise tatsächlich wäre, so würde ich jedenfalls als Erster jubeln. Doch diese «Krise» ist mir zu harmlos; kaum Anlass zur Freude. Irr.

Grossbrand?

Es ist manchmal möglich, dass man einen Grossbrand in unmittelbarer Nachbarschaft «verschlaft». So ist es mir gestern geschehen. Nebenan wüteten die Flammen; die Feuerwehr heulte; sie war bemüht. Doch die faulen Herren irgendwo im Industriequartier ahnten hiervon nichts; auch wenn der Rauch über den Strassen hing; die Pumpen brummten. Manchmal ist es frappierend, wie abgestumpft und empfindungslos man wird.

Yuppie-Albtraum

Als Yuppie untersteht man gewissen Sachzwängen: es ist der Wahn, alles und jeden verstehen, kontrollieren und beherrschen zu können. Dies, obwohl man insgeheim anerkennt, dass diese Befugnis allein Gott vorbehalten ist. Auch hoch im Turm, auch wenn man meint, über Märkte und Menschen regieren zu können, ist man nicht gewappnet vor Selbstüberschätzung. So stürzt man, ereignet sich plötzlich etwas, was nicht ins Konzept passt. In solchen Momenten verliert man die Beherrschung gänzlich; man wird hysterisch-verletzlich. Ebendiese Schwachstelle stört die Persönlichkeit.

Reflexionen II

Das Leben ist beschädigt worden, seitdem es erwachte in dieser modernen Welt, deren Motor Abscheu und Ekel ist, markiert mit Spuren vergessener Hoffnung, Sehnsucht nach dem Moment unvergänglicher Glückseligkeit. Dass ich überhaupt überleben, verdanke ich diesem Ekel. Andernfalls wäre ich ausgeschieden; nicht weil ich den Kampf nicht meistern konnte, nicht weil ich mich überfordert wähnte, nicht weil mich das Leben strafte, sondern weil es sich nicht lohnt, weil der Sinn nicht erkenntlich ist. Vielmehr ist es mir offenkundig, dass es sinnlos ist. Doch der Ekel macht Sinn. Es wird so zum Zwang, zum Druck, nicht zu kapitulieren. Jahre danach rekapituliere ich endlich, es war dennoch sinnlos.

Reflexionen I

Wegen zweifelhafter Umstände war es uns kurzzeitig möglich, ein «business» zu begründen, dessen Programm war, roh-entfremdete Künstler zu veredeln, sodass diese, vormals sowohl kriegs- wie auch ziviluntaugliche Herren zu vermarkten; hiermit den Markt zu sättigen, denjenigen, der immerzu giert nach Talenten, immerzu angeborene Fertigkeiten bewundert, die man weder erarbeiten noch erlernen kann. Dieser Spass war aber nur tatsächlich, solange wir so tun konnten als ob; als ob wir den Kram, den wir verscherbelten, auch selber «gut» befänden würden. Eigentlich verabscheuten wir den Kulturbetrieb; aber als kostümierte Clowns war er durchaus behaglich. Dieser «Betrieb» mittels nicht zweifelhafter Umstände zu reaktivieren ist jedoch keine ehrbare Ambition; es ist Geschichte, der Rest Verklärung.

Wieder nach Dresden

O Schreck, da fällt mir ein: Ich verreise alsbald (23.11.2008) wieder nach Dresden. Wieder für ungefähr zwei Wochen. Ich werde dort wieder toben. Es gibt etliche Bars, die mir behaglich geworden sind. Es gibt auch nette Lokale, wo man noch rauchen darf. Und das Essen, auch wenn immer dasselbe, kann verköstigen. Sogar die Weiber gefallen. Nun könnte ich sie genauer studieren.

Damenwahl

Es gibt Weiber, die mögen einen nur wegen des Berufes. Soviel ist bekannt. Solche Weiber schimpfen wir entweder «oberflächlich» oder « vorsorglich». Es gibt aber auch welche anderer Gattungen, die ebenso verfahren in der Partnerwahl: «Mein Freund muss Künstler-Intellektueller sein». Und falls er es einmal nicht mehr ist, weil die äusseren Umstände ihn anderswo lenkten, so trennt man sich. So ungefähr ist es mir geschehen. Nur doof, dass ich nun meine, in den letzten Jahren Aufmerksamkeit vergeudet zu haben für ein naives, sensationslüsterndes Weib, das zu keiner Bindung fähig ist. Nun heisst es also: amortisieren!

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