Die Ersatzreligion «Glücksspiel» wurde schnell wieder vergessen. Was aber nicht vergessen ging, sind die Reporter, die aus Ermangelung von Alternativen auf den Strassen das einfache Volk fragte, was sie den mit den Euromillionen anzufangen wüssten. Die allgemeine Antwort: nichts, ausgenommen ein Haus bauen, ein Auto kaufen oder in die Ferien reisen. Dann dürften wir uns fragen, ob wir das Wünschen nicht verlernten, wenn sich die Wunschfee uns stellt, wir einfach nicht von den gewöhnlichen Dingen wegkommen, die soundso jeder haben will. Erschreckend, nicht wahr?
Was würdet ihr euch wünschen, beglücke euch die Wunschfee?
[...] Ferner sind andere Produkte dafür geschaffen, die zwar noch schlotterig im Zusammenhang mit Kultur flattern, ansonsten beinahe einen religiös anmutenden Charakter aufweisen, euren tristen Alltag, der euch anscheinend abnutzt und entkräftet, für einen vergänglich befristeten Augenblick zu erheitern, damit am Montagmorgen wieder der Wecker schellen kann, ohne dass ihr den Freitod herbeisehnt. Freizeitkultur ist also durchaus Regenerationskultur. Zyniker behaupten indessen auch, sie sei Degenerationskultur. Weil die Freizeitkultur weltweit genormt und vereinheitlicht ist, sind auch die Sehnsüchte, Träume und Wünsche der Menschen überangepasst und gleichschaltet, so deren Erklärungen, die fabrizierte Freizeitkultur als den Untergang der abendländischen Hochkultur schimpfen. [...]