Programmschau

Nebst der Seelenschau definiere ich als mein Programm, auf unliebsame Familien und unbeliebte Egomanen einzudreschen, bis man mich endgültig wegsperrt und verwahrt. Diesem Ansatz verpflichtet sollte ich mich nun eigentlich über die Sophie belustigen, welche naiv und leichtgläubig, aber erlösend bemerkte, dass nicht immer Bio drinnen ist, wo Bio drauf steht. Aber anderseits bewerbe ich mich auch ganz seriös für dubiose Publikumsgesellschaften. Hier fordert mich das Seiltanzen ganz evident heraus!

Der Leser, also sie, und ehrlich gesagt, müssten sie ein ziemlich unterbeschäftigter Mensch sein, gesteht, dass mein Programm mittels der Vielfalt bekennzeichnet wird. Dazu übersteigere ich ohne Grenzen den gegenwärtigen, meistens wirtschaftlicherseits gepredigten Wahn des totalen Individualismus und parodiere ihn bis zur Unerkenntlichkeit. Wer mich also durchschaut, geniesst folglich reinste und tiefsinnigste Realsatire. Aber Obacht: Manchmal werde ich trotzig, gestrig oder einfach nur stinkfrech (nicht zu verwechseln mit „stilecht“).

Weil ich mich im Internet sowieso resozialisiere, konspiriere ich heimlich mit dem abartigen Luci oder mit dem ewigstummen Kami3000. So werde ich vernetzt und fühle mich bald in der Bloglandschaft integriert. Aus meinem Refugium palavere ich also euren Erwartungen zu Grunde, denn schliesslich bin ich DER DISSIDENT und muss meine billigen Invektiven verbreiten. Doch verwundert euch nicht, wenn ich keinen verschone, denn das Blog erlaubt auch einem Dissidenten eine hörbare und schnelllebige Stimme. Somit ist die Gesellschaft verdammt, jedem noch so wichtigen Wicht zuzuhören, sofern man ihn nicht vorzeitig wegklickt oder anderweitig abspeist, der irrglaubt, seine Meinung bewege die Welt.

Anmerkung: Die Links sind die Fussnoten der Bloghochkultur!

Kommentare

4 Kommentare zu «Programmschau»

  1. bluetime am 4. Oktober 2006

    Abgesehen von diesem echt geilen Beitrag möcht ich Dich fragen:wenn die Links Fussnoten sind wie können sie dann zur Hochkultur mutieren?

    :-)

  2. dissident am 4. Oktober 2006

    Die Fussnoten beherbergen die „gelehrte Fehde“; sie sind Schlachtfeld und Rüstung zugleich. Mittels Fussnoten ringen die Adepten der Hochkultur um den Zuspruch der gebildeten Leserschaft. Vor allem formuliert ein Schreiber in einer Fussnote den Hergang seiner Gedanken aus und „behandelt“ respektive überwindet in Fussnoten seinen Erbfeind, dem er schon immer eins einhacken wollte. Und sowieso verschönert beziehungsweise professionalisiert eine Fussnote ein ohnehin langweiliges Prosawerk.

  3. Der LeuMund.ch am 4. Oktober 2006

    Die Freaks sind zurck…

    Langsam aber sicher gefllt es mir wieder in KleinBloggersdorf. Die Freaks sind zurck, es wird hier und was geschrieben, da ne Frage gestellt, bei ihm gefilmt und der aktionismus hat die Blogwelt wieder. Jetzt braucht es doch nur noch eine kleine Zerpsa…

  4. DER DISSIDENT » Blog Archive » Gründiges Bloggen am 16. Oktober 2006

    [...] Bloggen aufgrund handfesten Gründen erfreut sich einer fantastischen Beliebtheit. Ich definierte natürlich schon vor längerer Zeit mein legendäres Programm. Doch die Radiotheoretiker doppeln nach, indem sie zehn ausschlaggebende Gründe zum Bloggen manifestieren, so dass auch jeder begreift, wieso es sich ziemt, einen eigenen Blog zu besitzen. [...]

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