Ich will mich an einem Blog-Karneval beteiligen, weil ich mir davon eine «bessere» Verlinkung verspreche, die meine «Reputation», meine Technorati-Wertung hoffentlich erhöht. Soviel Ehrlichkeit muss ich preisgeben. Denn ansonsten könnte mich jemand des selbstlosen Idealismus verdächtigen. Also!
Der politische Blog-Karneval wurde von einem Blog namens onezblog initiiert, der sich als «Feuilleton» rühmt. Gleichwohl ich Politik grundsätzlich aus Verdruss ablehne, bespricht der Karneval ein politisches Thema, für das auch ich mich interessieren kann, nämlich lautet die Frage:
«Politikverdrossenheit in Deutschland. Wohin führt uns die Parteiendemokratie? Kritiken, Analysen und Utopien sind gefragt!»
Hierzulande wird gern argumentiert, die direkte Demokratie verursache zwar einerseits ein erstarrtes, durch unzählige Einzelinteressen gelähmtes System, sei aber anderseits aber auch massgebend verantwortlich, weshalb unsere Arbeitsmoral und Produktivität der der Nachbarstaaten überlegen ist. Denn ein gewöhnlicher Arbeiter schuftet selbstloser und motivierter, tröstet ihn der Umstand, dass er, falls nicht die Wirtschaft, immerhin die Politik mitgestalten könnte.
Dennoch klagt auch das schweizerische politische System sich über die chronisch schwache Wahlbeteiligung der Bevölkerung, was eigentlich das System beunruhigen müsste und desöfteren auch tut. Allerdings darf man die Politik nicht überschätzen. Sie selbst ist mittlerweile degradiert als Helfershelfer der Wirtschaft, die die Bedingungen des totalitären Wirtschaftens rahmt. Vermutlich ist die zeitgemässe Politikverdrossenheit verwurzelt im mehrheitsfähigen Glauben, die Politik sei handlungsunfähig und ohnehin nur eine kostspielige Selbstdarstellungsplattform deren, die in der Privatwirtschaft versagten.
Was eine Demokratie sowohl beleben, erfrischen als auch schwächen, weil polarisieren könnte, ist das in den USA beispiellos bisweilen ins Absurde entstellte Zweiparteiensystem. Da die ach so fürsorgliche Politik dem Bürger ohnehin Mündigkeit abspricht, ansonsten könnte der Bürger sich ja selbst «verwalten» und bräuchte infolgedessen keine Politik, vollendet das Zweiparteiensystem eine möglichst einfach nachzuvollziehende Demokratie, in der lediglich «Entweder-oder» gilt.
Leider wird Politik gegenwärtig zunehmend als Spektakel inszeniert, welches nicht die Politik sondern die Personen, die politisieren, «referenziert». Weil folglich nicht mehr die Politik an sich sondern «nur» noch die Person das Wahlverhalten beeinflusst, ist die Politik beliebig. Man könnte geradezu eine Abschaffung der Politik befürworten, anstelle der Kabinettsdemokratie eine Unterhaltungsdemokratie als riesiges, nie enden wollendes Lustspiel aufführen.
Politikverdrossenheit. Der Parteienstaat in der Krise?!