Unwort des Jahres: «Raubkopie»

Das Wort des Jahres lautet zweifellos «Klimawandel». Über das Unwort des Jahres wird noch gestritten. Meiner Meinung nach könnte das Unwort «Raubkopie» durchfechten, tatsächlich als Unwort des Jahres gefeiert zu werden. Levente J. Dobszay belegt akribisch in einem äusserst lesenswerten Artikel, weshalb «Raubkopie» mit diesem rühmlichen Titel geehrt werden sollte. Vor allem schält er am Wort selbst, ertrotzt den wahrsten Sinn des Wortes, jedoch will ihm einfach nicht einleuchten, was das Wort «Raubkopie» eigentlich aussagen möchte. Zitiert:

«Bei einer Kopie nimmt das Original (in der Regel) keinen Schaden und bleibt so, wie es ist, und dort, wo es ist. Wird etwas geraubt, so spricht man von Raubgut oder Beute. Wenn dabei keine Gewalt im Spiel ist, nennt man es schlicht und einfach Diebstahl. Kann man etwas zugleich kopieren und rauben? Zu klären wäre dann aber, ob etwas zuerst geraubt und dann kopiert wird oder umgekehrt. Aber wieso spricht man eigentlich von Raub? Wo wird hier Gewalt angewandt? Wo ist dabei die kriminelle Energie? Wenn schon, dann müsste es eigentlich ‹Diebeskopie› heissen – oder ‹Diebstahlskopie›. Mein Deutschlehrer würde mich dafür erhängen und sicherlich auch mein Rechtsdozent! Im Fall der sogenannten ‹Raubkopie› treffen weder Raub noch Diebstahl als strafbarer Tatbestand zu, da niemandem eine Sache abhanden kommt. Auch die Urheberrechte verliert der Inhaber nicht am kopierten Werk.

Ich glaube, der Begriff «Raubkopie» wurde unnötig polemisch erhitzt, zudem unnötig vom Wortsinn entfremdet, sodass ein wahrhaft edler Neusprech entstand, der mittels ohnehin verschmähten Werbeaktionen ins schlechte Gewissen der Menschen gebrannt wird.

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